Große Gefühle

Sibylle Berg und Wiglaf Droste auf Lesereise
Sibylle Berg und Wiglaf Droste
22.10. 20.00 Uhr Hamburger Kammerspiele, Hartungstr. 9-11.
Eintritt: 20.-/15.- DM.


„Droste & Berg schlagen sich“, erfährt man auf der Website www.sibylleberg.ch und zwar anläßlich einer Lesung in den Hamburger Kammerspielen. Hoffentlich gut und nicht gerade auf die erlauchten Nasen, darf man da anmerken. Für ihren gemeinsamen Auftritt in Lüneburg am Tag darauf, versprechen „Droste & Berg“ zu „befriedigen“ – nur wen oder was, darf man sich da fragen. Auf der Website von Frau Berg, die gerade neu gestaltet wurde und schon deshalb einen Besuch wert ist, erfährt man auch, dass die Autorin „keine Depressionen“ und „keine Essstörungen“ hat, die „Welt ein wenig traurig“ findet, „Optimisten nicht versteht“, „sich nicht inszeniert“ und gerade „wieder da ist“. Nach ihrem Prosadebüt „Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot“ (1997), dem Splatterwerk „Sex II“ (1998) und dem Roman „Amerika“, in dem sie ihre Figuren in die Sinnwüste der Gegenwart und damit auf einen Horrortrip schickt, erzählt sie in ihrem neuen Buch, wo sie war, als sie weg war: „nicht in der Fremde“, wie der Klappentext vermutet, nein, Sibylle Berg war „bei Männern“ und erzählt folglich „Das Unerfreuliche zuerst“, nämlich „Herrengeschichten“. Natürlich ist die Krone der Schöpfung, so muss das bei Frau Berg wohl sein, ein einziges Desaster. Ihre Männer sind mal schon tot, dann noch beim Sterben und wollen doch immer nur eines: ficken, ficken, ficken. Darüber kann man auch lachen, wie immer bei den Geschichten von Sibylle Berg, aber so spaßig ist es dann doch nicht, denn es gibt ja auch große Gefühle, die „ernst gemeint sind“ und zwar „bis auf die Knochen“. Vielleicht wird es der Satiriker Wiglaf Droste ja richten, der sich zusammen mit Sibylle Berg auf Lesereise begeben hat.



zurück