| Vom Zustand der Welt
Hans Christoph Buchs "Kain und Abel in Afrika" |
|
|
Hans Christoph Buch 19.9. 20.00 Uhr Literaturhaus, Schwanenwik 36 Eintritt: 10.-/6.- DM. |
In seinem Roman „Kain und Abel“ in Afrika erzählt Hans Christoph Buch von dem Völkermord, genaugenommen vom zweiten Teil des Mordens, der Rache der Tutsi an den Hutus. Seinen Augenzeugenbericht über dieses Inferno hat er mit der historischen Rekonstruktion der Afrikaexpedition des Arztes Richard Kandt verwoben, der sich 1898 aufmachte, um die Quellen des Nils zu finden. Kandt, der im Roman als Ich-Erzähler auftritt, während für die Berichte aus der Gegenwart ein distanziertes „Du“ gewählt wurde, entdeckt den ganzen Reiz fremder Kulturen, den Reichtum noch nicht genutzter Ressourcen und die Gefahren einer fremden Welt, die für ein paar Jahrzehnte Teil des deutschen Kolonialreiches wird und für weitere vierzig Jahre „treuhänderisch“ von Belgien verwaltet werden sollte. Die Kolonialherrschaft und der Einfluss der Europäer haben alle tradierten Untugenden gefördert und die Region nachhaltig chaotisiert. Ganz ohne zu suggerieren, damit eine Erklärung für die furchtbaren Völkermorde 1994, 1995 und 1996 gefunden zu haben, werden durch die historische Perspektive Entwicklungslinien aufgezeigt und damit Mechanismen der Krisen der Gegenwart offen gelegt. Zudem wird diese „harte Geschichte“ (Die Welt) durch den Wechsel zwischen den Erzählstimmen und ihren jeweiligen Schauplätzen etwas erträglicher für ihre Leser. Hans Christoph Buch hat mit „Kain und Abel in Afrika“ einen meisterhaften und in der deutschen Literatur höchst seltenen Weltbericht vorgelegt, einen politisch engagierten Roman, der ohne belehren oder tiefsinnig erklären zu wollen, einen Blick auf den Zustand der Welt erlaubt. Im Literaturhaus liest er am 19. September aus seinem Roman. Eine Einführung spricht der Schriftsteller Hermann Peter Piwitt.zurück
|