Donnerstag 14.09.2017


Lesung mit Yaa Gyasi

„Heimkehren“




Zwei Romane aus der amerikanischen Literatur, die in diesen Wochen neu erschienen sind, thematisieren, wie sich Rassismus über Jahrhunderte in die US-amerikanische Gesellschaft eingeschrieben hat – und was bedeutete und immer noch bedeutet, schwarz zu sein in Amerika. In seinem mit dem National Book Award und dem Pulitzerpreis 2017 ausgezeichneten Roman „Underground Railroad“ (Hanser Verlag) erzählt Colson Whitehead von der Flucht einer jungen Sklavin aus einer Baumwollplantage in Georgia; Yaa Gyasi erzählt in ihrem Roman „Heimkehren“ vom Schicksal einer ghanaischen Familie von der Versklavung vor 300 Jahren bis in die Gegenwart. Zum Harbour Front Literaturfestival stellt Yaa Gyasi ihren Roman auf der Cap San Diego vor. Den deutschen Text liest Lisa Grosche. Moderation: Friederike Moldenhauer.

Obwohl Effia und Esi Schwestern sind, lernen sie sich nie kennen, denn ihre Lebenswege verlaufen von Anfang an getrennt. Im Ghana des 18. Jahrhunderts heiratet Effia einen Engländer, der im Sklavenhandel zu Reichtum und Macht gelangt. Esi dagegen wird als Sklavin nach Amerika verkauft. Während Effias Nachkommen über Jahrhunderte Opfer oder Profiteure des Sklavenhandels werden, kämpfen Esis Kinder und Kindeskinder ums Überleben: auf den Plantagen der Südstaaten, während des Amerikanischen Bürgerkrieges, der Großen Migration, in den Kohleminen Alabamas und dann, im 20. Jahrhundert, in den Jazzclubs und Drogenhäusern Harlems. Hat die vorerst letzte Generation schließlich die Chance, einen Platz in der Gesellschaft zu finden, den sie Heimat nennen kann und wo man nicht als Menschen zweiter Klasse angesehen wird?
Mit einer enormen erzählerischen Kraft zeichnet Yaa Gyasi die Wege der Frauen und ihrer Nachkommen über Generationen bis in die Gegenwart hinein. ›Heimkehren‹ ist ein bewegendes Stück Literatur von beeindruckender politischer Aktualität.

Harbour Front Literaturfestival auf der Cap San Diego, Luke 5, Überseebrücke, 21.00 Uhr, 14.-Euro. Tickets gibt es unter www.harbour-front.org