Mittwoch 06.03.2013


Lesung mit David Grossmann

„Aus der Zeit fallen“

David Grossmann 2010 im Gespräch anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels
„Kein Buch über den Tod, sondern ein vielstimmiges, wahrhaftiges und poetisches Werk über die Trauer, und die ist den Lebenden vorbehalten,“ sah Felicitas von Lovenberg für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ in dem neu erschienenen Buch „Aus der Zeit fallen“ von David Grossman. Der israelische Schriftsteller ist schon seit vielen Jahren auch in Deutschland bekannt, er gehört zu den wichtigsten Autoren der israelischen Gegenwartsliteratur, wurde u.a. mit dem Geschwister-Scholl-Preis (2008) und dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Sein neues Buch ist keinem klaren Genre zuzuweisen, es ist Drama und Lyrik zugleich. Da zieht ein Mann klagend um die Stadt, auf der Suche nach seinem toten Sohn. Viele schließen sich ihm an, stimmen in seine Trauer ein, weil auch sie ein Kind verloren haben. Zusammen bilden sie einen vielstimmigen Chor, der all die Fragen stellt, die jeden beim Tod eines Angehörigen bewegen: Wo ist der Verstorbene jetzt? Was bin ich ihm schuldig geblieben? Werde ich ihn je wiedersehen? Bis die Trauernden erkennen, „dass Leben in seiner ganzen Fülle nur dort, an dieser Grenzlinie besteht“. Das Kaddisch vereint am Ende die Trauernden, indem es ihnen ermöglicht, die Namen ihrer toten Kinder auszusprechen. Sprache als Überlebensstrategie, Gemeinschaft als Perspektive. Wird der Tod durch die menschliche Nähe zwar nicht fassbar gemacht, so kann die gemeinsame Trauer die Schmerzen doch lindern. David Grossman war zuletzt mit seinem Roman „Eine Frau flieht vor einer Nachricht“ zu Gast im Literaturhaus. Während er noch an dem Buch arbeitete, fiel sein jüngster Sohn Uri in den letzten Tagen des zweiten Libanonkrieges. Im Literaturhaus stellt David Grossman „Aus der Zeit fallen“ zusammen mit dem Schauspieler Sebastian Rudolph vor, der den deutschen Text lesen wird. Moderation: Gabriele von Arnim.

Veranstalter: Literaturhaus, NDR Kultur. Ort: Literaturhaus, Schwanenwik 38, 19.30 Uhr. Eintritt: 14.-/10.- Euro.