Heinz Strunk, Nach Notat zu bett



»Nach Notat zu Bett«

Heinzers beherzte Exkursionen

Heinz Strunk
Heinz Strunk, Foto: Dennis Dirksen
Schon die in der »Titanic« über drei Jahre veröffentlichten Kolumnen mit Tagebuchnotizen von Heinz Strunk wurden als »verlässlicher monatlicher Segen« (»Spiegel online«) gefeiert. Unter dem Titel »Nach Notat zu Bett« sind sie im vergangenen Herbst bei Rowohlt erschienen und entfalten als »Intimschatulle« in einer Kombination aus Alltagsbeobachtungen, Reisenotizen, Kalauern und »musikalischen Speisekarten« in 356 Einträgen eine einmalige poetische Wucht.

Es ist fast egal, wo man dieses Buch aufschlägt, irgendwie erwischt es einen immer direkt, umstandslos und hart, so dass man sich fast zwangsläufig ziemlich bald die Frage stellt: Worüber lachst du denn da, verdammt noch eins, schon wieder? Über »Spezialitäten wie Krümpelsuppe«, über Aufzählungen wie »Opel Anus, Toyota Votz, BMW Knatterta«, über »Altersgeilzeit«, einen »kleinen Ein-Euro-Gag« und »lustige Käsifragen«? Das ist so in etwa das Niveau, mit dem sich Heinz Strunk durch den Alltag witzelt. Gleichzeitig steht der Autor in diesem Tagebuch aber auch selbstkritisch, trübsinnig und »nackt vor Gott«, mit allen existenziellen Fragen, die ihn bei seinen »beherzten Exkursionen« zwischen Imbissbude in St. Pauli, Autobahnkirche an der Raststätte »Dammer Berge« und der Arbeit an einem Roman und einem Erzählband so anwehen. Rat sucht er in den Tagebuchaufzeichnungen so berühmter Kollegen wie Peter Rühmkorf, Imre Kertész oder Stefan Zweig, und findet Trost im tristen Alltag in »Sauvignon blanc, Rivaner, Muskateller, Grauburgunder, Chardonnay, Riesling« und Schnaps. Die »ganz große Humoristenklasse« (Rowohlt) bedient Heinz Strunk seit jeher im Blindflug, zum Ereignis wird seine »Intimschatulle«, weil er mit ihr das Tagebuch als literarische Kunstform neu definiert. Und sich einmal mehr als ein wahrer Meister der grotesken Miniatur erweist.

Heinz Strunk, Nach Notat zu Bett«, € € 20,–

10.03.2020 | Jürgen Abel