Mittwoch 30.01.2019


Zum 150. Geburtstag von Else Lasker-Schüler

»Bilder einer Dichterin«

Else Lasker-Schüler
Else Schüler als junge Frau, vermutlich im Jahr 1894 kurz nach der Hochzeit mit Berthold Lasker, Foto: Wikipedia, gemeinfrei
Ihre Biographie hat sie mit phantastischen Legenden umgeben, Daten und Orte gefälscht und sich in märchenhafte Namen gekleidet. Else Lasker-Schüler war Jussuf, der Prinz von Theben, lebte als Tino von Bagdad, als der schwarze Schwan, als Robinson, Indianer und blauer Jaguar, sogar ihre Freunde und Weggefährten verzauberte sie: Gottfried Benn war bei ihr Giselher der Barbar, Franz Werfel nannte sie Prinz von Prag und als Ritter aus Gold erschien ihr Georg Trakl. Der Schriftsteller, Germanist, Übersetzer und Lasker-Schüler-Biograph Jakob Hessing, der von 1992 bis 2005 als Professor für Deutsche Literatur an der Hebräischen Universität in Jerusalem lehrte, stellt das Leben und Werk von Else Lasker-Schüler zum Jüdischen Salon am Grindel vor. Gastgeberin ist Friederike Heimann.

In Berlin, der »starken und furchtbaren Stadt«, in die sie 1894 mit ihrem ersten Mann, dem Arzt Berthold Lasker, kam, bildete sie über Jahrzehnte hinweg einen verzaubernden Mittelpunkt der Boheme, schloss Freundschaft mit George Grosz, Oskar Kokoschka, Franz Marc, Paul Zech und Karl Kraus u.v.a. Doch so glanzvoll uns das Leben von Else Lasker-Schüler heute auf den ersten Blick erscheint, tatsächlich stand sie immer wieder am Rand des gesellschaftlichen Abgrunds. 1933 zwang man sie in die Emigration, in der Schweiz wurde die mittellose Dichterin und Künstlerin als Landstreicherin aufgegriffen, ihre Zeichnungen und Aquarelle wurden in der Ausstellung »Entartete Kunst« gezeigt, ihre Werke auf den Index des »schädlichen und unerwünschten Schrifttums« gesetzt. Bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs floh sie schließlich nach Palästina, wo sie 1945 in Jerusalem starb. In ihrem letzten Gedichtband, »Das blaue Klavier«, zieht sie ihr Lebensfazit: »Ich sitze noch heute sitzengeblieben auf der untersten Bank der Schulklasse, wie einst ... Doch mit spätem versunkenem Herzen: 1000 und 2-jährig, dem Märchen über den Kopf gewachsen. «

Jüdischer Salon im Café Leonar, Grindelhof 54, 20.00 Uhr, € 10,–/5,–