Dienstag 22.10.2019


Lesung mit Vea Kaiser

Wer den Teufel lang genug ruft

Vea Kaiser
Vea Kaiser, Foto: Ingo Petramer
Zwischen dem, was man glaubt, was man sich erhofft und wie es wirklich wird, gibt es nur allzu oft einen eklatanten Unterschied, das hat die Familie Prischinger in einer ganzen Reihe schlimmer Ereignisse früh erfahren und einen ehernen Kodex daraus abgeleitet: »Niemand wird zurückgelassen«. Es ist der Ausgangspunkt von »Rückwärtswalzer oder Die Manen der Familie Prischinger«, dem neuen Roman von Vea Kaiser. Mit großer Fabulierlust und einem tollen Mix aus literarischem Anspruch und Unterhaltung erzählt die österreichische Schriftstellerin und Altphilologin in einer rasanten Road-Novel die Lebensgeschichten von drei Schwestern und den Totengeistern, die sie auf einer skurrilen Reise begleiten.

Er ist als Schauspieler gescheitert, kann seine Wohnung nicht mehr bezahlen, und seine Lebensgefährtin hat ihn auch noch verlassen. Mit Geld kann Lorenz zwar niemand aus der Klemme helfen, doch sein Onkel Willi und seine Tante Hedi nehmen ihren Neffen mit offenen Armen bei sich auf. Die kleine Wohnung am Stadtrand von Wien ist seit Jahren Zentrum der Familie und Treffpunkt der verschrobenen, doch lebensklugen Schwestern Mirl, Hedi und Wetti. Im Wechsel mit den Ereignissen in der Gegenwart erzählt Vea Kaiser in »Rückwärtswalzer« von der schweren Kindheit, der Jugend und aus dem Leben der Schwestern, die auf einem Hof im österreichischen Waldviertel ohne Vater aufgewachsen sind und seitdem ein trauriges Geheimnis bewahren. Nur Willi, der eigentlich Koviljo Markovic heißt, ist in die Sache eingeweiht, weil sein Schicksal ähnlich schuldbeladen ist. Aufgegeben hat Willi dennoch nie.

»Wer den Teufel nur lange genug ruft, zu dem wird er auch kommen.« Mit diesem Sprichwort hat ihn in seiner Kindheit in einem Bergdorf in Montenegro sein Vater ermahnt, nicht vorschnell die Hoffnung zu verlieren. Jetzt gibt er es seinem liebeskranken Neffen Lorenz auf und stirbt dann prompt selbst. Das wäre eigentlich schon schlimm genug, doch Willi hatte immer den Wunsch, im Grab seiner Familie in Montenegro begraben zu werden, und dafür fehlt das Geld. Mirl, Hedi und Wetti beschließen kurzerhand, die Überführung der Leiche selbst zu übernehmen.

Mit Lorenz am Steuer und dem toten Willi auf dem Beifahrersitz eines Fiat Panda geht es von Wien aus über 1000 Kilometer in den Süden, bis sie an der Grenze zu Montenegro von einem Grenzbeamten gestoppt werden. Doch zum Glück sind auch die guten Totengeister der Familie mitgereist. Sie sorgen dafür, dass in dem mit viel Schwung, Humor und großer Sympathie für die Protagonisten erzählten Roman am Ende dann doch noch gesagt wird, wer zurückbleiben musste. Und die Lebenden mit den Toten ihren Frieden machen können.aus ihrem neuen Roman.

Sachsentor Buchhandlung im Kulturforum Serrahn, Serahnstr. 1, 19.30 Uhr