Mittwoch 25.03.2020


Buchpremiere mit Sebastian Stuertz

»Das eiserne Herz des Charlie Berg«

Sebastian Stuertz
Sebastian Stuertz, Foto: Tara Wolff
Ein Künstler-, ein Familien- und Coming-of-Age-Roman, eine Räuberpistole und dazu auch noch ein ziemlich dicker Brocken, all das ist das soeben neu erschienene Debüt von Sebastian Stuertz. Vor zwei Jahren wurde der Medienkünstler und Musiker für einen kleinen Auszug aus dem umfangreichen Roman mit einem Förderpreis für Literatur ausgezeichnet. Jetzt ist »Das eiserne Herz des Charlie Berg« (btb) erschienen, und es steckt jede Menge Sound drin, orchestriert von einer wunderbar schrägen Geschichte.

Eigentlich will Charlie nur noch raus zu Hause, eine Zivistelle in einer einsamen Vogelwarte antreten und an seinem lange geplanten Romanprojekt schreiben. Doch dann steht er zusammen mit seinem Opa einem kapitalen Hirsch gegenüber, der ihm einen gehörigen Strich durch die Rechnung macht, wobei er damit noch glimpflich davon kommt. Er überlebt die Sache nur, weil er mit Tieren reden kann und über ein ganz besonderes olfaktorisches Wahrnehmungsvermögen verfügt. Sein Opa hat da weniger Glück, genau wie der Wilderer, der plötzlich aufgetaucht ist. Weil das alles, tja, eben ganz so aussieht, als hätte Charlie dieses Schlamassel angerichtet, versucht er, alles zu vertuschen. Und überlebt die Sache am Ende doch nicht, bekommt aber eine zweite Chance. Oder ist es schon die dritte? Wie bitte? Richtig, das ist verrrückt. Kommt aber hin. Sebastian Stuertz lässt da nix anbrennen, die Fäden werden ein paar hundert Seiten später schön plausibel zusammengeführt, und nachdem alles überstanden ist, gibt es »Hirschgulasch« im Forsthaus. Bei dem Festessen mit am Tisch sitzen Charlies Vater Dito, ein »Langhaarzottel« und Musiker, seine autistische Schwester Fritzi, so eine Art »wandelnde Literaturquizshow«, seine Mutter Rita, Nonna, Stucki, der sehr stolz auf sein neues Glasauge ist, und natürlich auch seine Freundin Mayra, die »zehn Skinheads mit einem Roundhousekick« erledigen kann. Es ist eine sehr ehrenwerte und ziemlich irre Familie, von der Sebastian Stuertz erzählt, und ein großer Spaß, sich mit ihr ins Leben zu stürzen.

Lesesaal, Buchhandlung & Café, Stadthausbrücke 6, 19.30 Uhr, € 10,–