
Bodo Kirchhoff, Foto: Alexander Beck
Bekannt geworden ist der 1952 in Hamburg geborene Schriftsteller Bodo Kirchhoff 1980 mit dem Sammelband »Body Building«. Schon mit diesem Buch hat er ein Thema aufgeworfen, das sich durch all seine Romane und Erzählungen zieht: die Projektionen des (vornehmlich männlichen) Selbst. Während die literarischen Moden der 70er und beginnenden 80er Jahre von Versuchen geprägt waren, Empfindungen Ausdruck zu geben, hat Kirchhoff einen kalten Blick auf Körperbilder und ihre daraus resultierenden Identitäten geworfen. Die Illusionen der Liebe, der gelingenden Kommunikation und Gemeinschaft in einer hedonistischen Welt sind sein Thema, auch in seinem neuen Roman, in dem er von einer Ehe erzählt, in der nach fünfzig Jahren fast nur noch das Gefühl bleibt, aus dem anderen jeweils das Schlechteste herauszuholen. Die Frage ist plötzlich unausweichlich. Gehen oder bleiben?