Freitag 05.06.2026


Lesung mit Dorothea Baltzer und Jan Bürger

»Zwischen Himmel und Elbe«

Jan Bürger, Foto: Chris Korner, Deutsches Literaturarchiv Marbach
Der Literaturwissenschaftler und Autor Jan Bürger stellt seine »Kulturgeschichte Hamburgs« vor und erzählt von Literatur und Theater, Musik und Museen, vom Strich und vom Hafen. Die Schauspielerin Dorothea Baltzer liest Auszüge aus Werken von u.a. Klopstock, Lessing und Borchert.


Aufgebaut hat Jan Bürger seine bei C.H. Beck erschienene »Kulturgeschichte Hamburgs« nicht chronologisch, er hat sich ein Mapping anhand der S- und U-Bahnstationen angelegt und entdeckt die Kultur von zentralen Orten und »damit stets von unserer Gegenwart« aus. Das hat den Vorteil, dass er thematisch und inhaltlich eher flanierend erzählen kann, was schlicht unterhaltender ist als eine Chronologie der Ereignisse. Die prägenden Aspekte fasst er am Anfang zusammen: Hamburg ist ausschließlich durch den Handel groß geworden, Schlösser und Burgen von Fürsten sucht man hier vergebens, dafür ist die Stadt über viele Jahrhunderte Deutschlands »Tor zur Welt«. Schiffe, Docks, Speicher und Kontore prägen das Stadtbild. »Zerstörungen« wie der »Große Brand«, der 1842 weite Teile der Stadt in Schutt und Asche legte, aber auch ein verbreiteter Pragmatismus, der bis in die Gegenwart dazu führt, dass eher nicht bewahrt, sondern abgerissen und neu gestaltet wird, sind zudem bestimmend für das Stadtbild.

Die mächtige Handelsstadt wird in den letzten Jahrhunderten dennoch oder vielleicht auch wegen dieser Dynamik immer wieder zu einem Brennpunkt der Kultur: Im 18. Jahrhundert gilt Hamburg in der Musik vielen als weltweit führend, mit Klopstock lebt zudem einer der Literaturstars Europas in der Stadt. Sternstunden wie diese findet man in der Kulturgeschichte Hamburgs bis in die Gegenwart – von Lessing, Carl Philipp Emanuel Bach über Anita Rée, Hans Henny Jahnn, Wolfgang Borchert bis hin zu Peter Rühmkorf, Brigitte Kronauer, den Beatles und Hubert Fichte, der die Reeperbahn »als Hauptschauplatz der internationalen Popkultur« inszenierte.
Wer nach all den kulturellen Lichtblicken aus der Literatur-, Kunst- und Musikgeschichte Hamburgs, die Jan Bürger bis ins späte 20. Jahrhundert findet, dann in der Gegenwart ankommen will, schlägt »Zwischen Himmel und Elbe« einfach ganz hinten auf. Dort werden »Hundert Bücher zum Weiterlesen«, vorwiegend aus der jüngeren Literatur empfohlen. Es ist eine profunde »Auswahl«, die ebenso wenig in den Regalen kulturbeflissener Hamburger*innen fehlen sollte wie Jan Bürgers Kulturgeschichte auf dem Lesetisch für den kommenden Herbst und Winter.

Christuskirche Wandsbek, Gemeindehaus, Schlossstr. 78, 19.00 Uhr, Eintritt frei