Dienstag, 12.04.2016


Lesung mit Guntram Vesper

Jagende Schatten

Guntram Vesper
Guntram Vesper, Foto: Volker Poland
Dieses Staccato gleich am Anfang. Und wo sind wir hier eigentlich? Ach ja, in Frohburg. Geht das jetzt 1002 Seiten lang so weiter? Jagende Schatten. Ein tosendes Erinnerungsgewitter. Substantiv an Substantiv. Eine einzige Substantivierung der Erinnerung: „Brikettfabrik Neukirchen. Vater Betriebsarzt. Mein Felixmüllerbild des Kohlenbunkers. Am Abstreicher, guck da, das ist doch, ja das ist der alte Zetzsche, ganz genau, aus Benndorf, das Apfelbackenrundgesicht. Erst Bauernknecht, dann Krieg, die nächsten fünfunddreißig Jahre am Förderband, mit Schaufel.“So geht das zu und weiter in diesem Mammutroman, der ein singuläres Ereignis in diesem Bücherfrühling ist, und irgendwie hat diese ausufernde Prosa immer wieder etwas unendlich Magisches. Ein Roman, wie es keinen Zweiten gibt. Und ganz gewiss ein Leseerlebnis, wenn man sich auf die große Erinnerungsreise einlassen will, die Guntram Vesper mit „Frohburg“ anbietet.

Guntram Vesper, 1941 in der sächsischen Kleinstadt Frohburg geboren, hat 1967 auf der letzten Tagung der Gruppe 47 gelesen und ein umfangreiches literarisches Werk geschrieben. Bekanntgeworden ist er vor allem als Lyriker, doch in den letzten Jahren war es dann still um ihn, da hat er an „Frohburg“ geschrieben, seinem großen, autobiografischen Prosawerk, das gleichzeitig versucht, ein Portrait des Lebens in Deutschland im zwanzig- sten Jahrhundert zu entwerfen. Der über 1000 Seiten umfassende Roman steht in einer Reihe mit den großen Erinnerungsbüchern von Peter Kurzeck und Walter Kempowski. Im März ist dieses „Museum, Archiv, Lebenswerk“ (Jury) mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet worden.

Guntram Vesper liest im Literaturhaus aus „Frohburg“. Moderation: Andreas Platthaus.

Literaturhaus, Schwanenwik 38, 19.30 Uhr, 12.-/8.- Euro.


Lesung mit Rasha Khayat

Ein Gefühl von Fremdheit, das unauflösbar scheint

Rasha Khayat
Rasha Khayat, Foto: Anna Maria Thiemann
Rasha Khayat erzählt in ihrem Romandebüt „Weil wir längst woanders sind“ die Geschichte der Geschwister Layla und Basil, die sich sehr verbunden sind, bis Layla eine Entscheidung trifft, die alles verändert und die niemand versteht: Sie beschließt zu heiraten. Einen Mann in der alten Heimat, Saudi-Arabien. Keine Ehe aus Liebe, sondern aus Prinzip.

1978 in Dortmund geboren, ist Rasha Khayat in Jeddah, Saudi-Arabien aufgewachsen. Mit 11 Jahren kam sie dann mit ihrer Familie zurück nach Deutschland. Sie hat Vergleichende Literaturwissenschaften, Germanistik und Philosophie studiert, seit 2005 lebt und arbeitet sie als freie Autorin, Lektorin und Übersetzerin in Hamburg. Mit ihrem Romandebüt „Weil wir längst woanders sind“ erzählt sie nicht nur von einer Reise in die alte Heimat Saudi Arabien, sondern auch aus der Vergangenheit der Familie und von der liebevoll skurrilen saudischen Verwandtschaft. Doch Khayat stellt mit ihrem Roman auch schmerzhafte Fragen: Was treibt eine nicht religiöse, freiheitsliebende junge Frau dazu, sich für ein Land zu entscheiden, in dem Frauen alles andere als frei sind? Wie soll man umgehen mit einem Gefühl von Fremdheit, das unauflösbar scheint?

Rasha Khayat liest im Nachtasyl des Thalia Theaters aus ihrem Romandebüt „Weil wir längst woanders sind“. Moderation: Jan Volk

Dumont Verlag und Thalia Theater im Nachtasyl des Thalia Theaters, Alstertor 1, 20.00 Uhr, 8.- Euro.


Lesung mit Benedict Wells

„Vom Ende der Einsamkeit“




Der in Berlin lebende Schriftsteller Benedict Wells, der 2008 mit dem inzwischen fürs Kino verfilmten Roman „Becks letzter Sommer“ ein vielbeachtetes Debüt vorlegte, liest aus seinem neuen Roman über die Geschwister Jules, Marty und Liz, die grundverschieden sind, und doch prägt alle drei ein tragisches Ereignis.

Behütet aufgewachsen, haben Jules, Marty und Liz als Kinder ihre Eltern durch einen Unfall verloren. Obwohl sie auf dasselbe Internat kommen, geht jeder seinen eigenen Weg, sie werden sich fremd und verlieren einander aus den Augen. Als Erwachsene glauben sie, den Schicksalsschlag überwunden zu haben. Doch dann holt sie die Vergangenheit wieder ein, denn „eine schwierige Kindheit ist wie ein unsichtbarer Feind: Man weiß nie, wann er zuschlagen wird“. Moderation: Daniel Haas.

Die Veranstaltung ist ausverkauft!

Buchhandlung Heymann, Osterstraße 134, 20.30 Uhr.


Lesung mit Katrin Bauerfeind

„Hinten sind Rezepte drin“




Katrin Bauerfeind liest aus ihrem neuen Buch mit „Geschichten, die Männern nie passieren würden“, mit denen es zwar jede Menge über schlechten Sex, Playmobilfrisuren, gute Freunde, Treuepunkte oder die Frage zu lachen gibt, ob man emanzipiert und trotzdem ohne Unterwäsche in die Stadt gehen kann. Nur Rezepte gibt es keine. Eigentlich schade, dabei gäbe es doch vom Gurkensalat, über das Sellerie-Süppchen und Spargel im Teigmantel bis zu gepfefferten Erdbeeren jede Menge Empfehlungen aus der heißen Küche.

Uebel & Gefährlich, Feldstraße 66, 20.00 Uhr. Eintritt: 17,75 Euro.


Hessen-Lesung

„Der Käs im Grippte“

Drei „hessisches Wahlhamburger“ treffen sich, um Geschichten über die alte Heimat vorzulesen. Teilweise in Mundart, manchmal noch unverständlicher, immer aber mit dem allseits bekannten bissigen Hessen-Humor. Es lesen: Thomas Nast, Nico Spindler und die Künstlerin und Autorin Ina Bruchlos.

Mathilde Bar Ottensen, Kleine Rainstr. 11, 20.15 Uhr, 5.- Euro.


Lesung

„Auf der Suche“

Wie kommt ein altes Schwarz-Weiß-Foto in einen neuen Stiefel im Schuhgeschäft? Was macht man, wenn man mit Freunden in einem schwedischen Ferienhaus verabredet ist, vor Ort aber feststellt, dass es gleich mehrere Städte mit dem Namen Ryd gibt? Findet Georg seine Internetbekanntschaft Antonia auf dem Berliner Bahnhof, obwohl ihm das Erkennungszeichen, ein blauer Koffer, gestohlen wurde? Ob nach Liebe, dem Sinn des Lebens oder einer verlorenen Socke: Die meisten Menschen sind ständig „Auf der Suche“. Um genau solche Erfahrungen geht es in den Texten, die Autorinnen und Autoren einer Schreibwerkstatt im Rahmen des Literaturfestivals „Südlese“ vorstellen.

„Südlese“ im Kulturverein Alles wird schön, Friedrich-Naumann-Straße 27, 19.30 Uhr, Eintritt frei.


Vortrag

„Räume der Sicherheit – Räume der Gewalt“

Vortrag von Dr. Teresa Koloma Beck (Centre Marc Bloch, Berlin)über „Prozesse alltäglicher Ordnungsbildung in der afghanischen Hauptstadt Kabul“. Moderation: Laura Wolters, M.A. (HIS).

Institut für Sozialforschung, Mittelweg 36, 19.00 Uhr, Eintritt frei.