Sonntag, 14.09.2025


Sonntagsmatinée mit Katerina Poladjan

»Goldstrand«

Katerina Poladjan
Katerina Poladjan, Foto: Rudolf H. Boettcher
Eine baufällige Villa in Rom, eine rätselhafte Dottoressa, ein Mann auf der Couch erzählt um sein Leben: In ihrem neuen Roman »Goldstrand« (S. Fischer) fügt Katerina Poladjan Splitter des alten Europas zu einem heiter-melancholischen Bild der Gegenwart. Zur Sonntagsmatinée stellt sie ihren Roman im Heine-Haus vor. Moderation und Gespräch: Beate Borowka-Clausberg.

An der bulgarischen Schwarzmeerküste entsteht in den 1950er Jahren ein Ferienort: Goldstrand, geplant als Platz an der Sonne für alle. Auf der Baustelle wird Eli gezeugt. Sechzig Jahre später hat er seine größten Erfolge als Filmregisseur längst gefeiert und liegt auf der Couch seiner Dottoressa in Rom. Er mutmaßt und fabuliert seine Familiengeschichte, die durch ein ganzes Jahrhundert und quer über den europäischen Kontinent führt, von Odessa über Konstantinopel und Warna in Bulgarien bis nach Rom.

Heine-Haus, Elbchaussee 31, 11.30 Uhr, 10,–/5,–


Lesung mit Hanns-Joseph Ortheil

»Schwebebahnen«

Hanns-Josef Ortheil
Hanns-Josef Ortheil, Foto: Frank Bauer
Hanns-Josef Ortheil liest aus seinem neuen Roman über eine Kindheit im Wuppertal der Nachkriegsjahre. Moderation: Rainer Moritz.

Ende der fünfziger Jahre zieht der sechsjährige Josef mit den Eltern von Köln nach Wuppertal in ein Haus voller Eisenbahnerfamilien. Er ist ein stark introvertierter Einzelgänger, der am liebsten nur Klavier spielen würde. Die Schule in Köln musste er abbrechen, in der neuen Heimat nimmt er einen zweiten Anlauf. Als er Mücke, die Tochter des Gemüsehändlers von gegenüber, kennenlernt, entwickelt sich zwischen den beiden Kindern eine enge Freundschaft, die ihm hilft, seine Hemmungen zu überwinden. Allmählich öffnet er sich auch anderen Menschen, wie etwa den Patres des Kreuzherrenordens, die ihm lautes Vorlesen und Singen beibringen, oder einem Jugendtrainer, der ihn im Langlauf trainiert. Den stärksten Halt aber gibt ihm das Aufschreiben von Geschichten, über Schwebebahnflüge entlang der Wupper, Expeditionen mit skurrilen Tieren im Zoo oder abenteuerlichen Kämpfen mit Jugendbanden in einem nahen Waldgebiet.

Herbstlese Blankenese im Elbe Filmtheater, Osdorfer Landstr. 198, 14.00 Uhr, € 30,–/15,–


Lesung mit Mirko Bonné

»Wege durch die Spiegel«

Mirko Bonné
Mirko Bonné, Foto: Beowulf Sheehan
In seiner großen poetischen Fülle und Brillanz ein Ereignis: Gelehrt, witzig, verspielt und getragen vom großen Formenreichtum moderner Lyrik, das ist Mirko Bonnés neuer Gedichtband »Wege durch die Spiegel« (Schöffling & Co.). Und es ist ein schönes Buch, das sich mit drei Wespen auf dem Cover vor einem großen, knallgelben B und einem Gedicht über die »Guêpes« auch sehen lassen kann. Erst in diesem Frühjahr wurde Mirko Bonné in Hamburg mit dem Hubert-Fichte-Preis ausgezeichnet, das große Lesepublikum in Deutschland kennt ihn vor allem durch seine Romane, er gilt aber auch als einer der bedeutendsten deutschen Dichter der Gegenwart. Mirko Bonné stellt seinen Gedichtband im Literaturhotel Wedina zur Teatime vor.

Literaturzentrum im Hotel Wedina, Gurlittstr. 23, 16.00 Uhr, € 15,– inkl. Tee und Gebäck


Lesung mit Ralf Konersmann

»Außenseiter«

Der Publizist und Professor für Philosophie Ralf Konersmann liest aus seinem Buch über »Funktion, Rolle und Geschichte des Außenseiters von der Antike bis zu den Querdenkern«. Moderation: Christiane Schildknecht.

Herbstlese Blankenese im Elbe Filmtheater, Osdorfer Landstraße 198, 11.00 Uhr, € 20,–/10,–


Lesung

»Treppenviertel«

Historisch-literarischer Spaziergang durch Blankenese mit Jan Kurz. Im einstigen Lotsen- und Fischerdorf haben bis heute immer wieder bedeutende Schriftsteller:innen gelebt, darunter der Lyriker Richard Dehmel, der Dramatiker, der Schriftsteller und Orgelbauer Hans-Henny Jahnn, die Schriftstellerin und Armenpflegerin Sophie Jansen und heute die Schriftstellerin und Literaturwissenschaftlerin Katharina Hagena. Jan Kurz führt zu historisch und literarisch bedeutsamen Stationen durch den Stadtteil und das Treppenviertel. Die Schauspielerin Marion Gretchen Schmitz liest die dazu passenden Texte.

Herbstlese Blankenese, Treffpunkt: Blankeneser Kirche am Markt, Mühlenberger Weg 66, 11.30 Uhr, Eintritt frei


Lesung mit Lizzie Doron

»Wir spielen Alltag«

Lizzie Doron
Lizzie Doron, Foto: Dirk Skiba
Die vielfach ausgezeichnete, in Berlin und Tel Aviv lebende Schriftstellerin Lizzie Doron liest aus ihrem Buch über das »Leben in Israel seit dem 7. Oktober« (dtv). Lizzie Doron hat ihr Leben lang gekämpft – für eine Heimat ohne Verfolgung, für Frieden mit den palästinensischen Nachbarn, für Freiheit und Demokratie. Dann kam der 7. Oktober. Inzwischen sind fast zwei Jahre vergangen. Auf das Grauen der Kriegsmonate folgte ein brüchiger Waffenstillstand. Gibt es eine Zukunft, an die man heute noch glauben kann? In einer Zeit fehlender Antworten schreibt Lizzie Doron von ihrem Alltag, den es nicht gibt und der doch weitergeht: Begegnungen mit Hinterbliebenen, absurd-komische Szenen mit den Enkeln im Luftschutzraum, politische Diskussionen beim Friseur, schal werdende Gedenkveranstaltungen, das Schweigen am Telefon mit dem palästinensischen Freund. Moderation: Shelly Kupferberg.

Herbstlese Blankenese im Elbe Filmtheater, Osdorfer Landstr. 198, 17.00 Uhr, € 25,–/12,50


Lesung mit Roswitha Quadflieg

»Ich will lieber Schweigen«

Roswitha Quadflieg liest aus dem von ihr herausgegebenen und kommentierten Tagebuch ihres Vaters Will Quadflieg aus den Jahren 1945/46. Moderation: Shelly Kupferberg.

Herbstlese Blankenese im ElbSite auf dem Süllberg, Süllbergsterrasse 12, 14.00 Uhr, € 20,–/10,–


Lesung mit Ayelet Gundar-Goshen

»Ungebetene Gäste«

Die israelische Schriftstellerin Ayelet Gundar-Goshen liest aus ihrem neuen Roman. Moderation: Shelly Kupferberg.

Herbstlese Blankenese im Elbe Filmtheater, Osdorfer Landstraße 198, 17.00 Uhr, € 20,–/10,–


Krimi-Lesung

»Tod im Schatten der Elbflut«

Andreas Kästner, über 30 Jahre lang Wasserschutzpolizist im Hamburger Hafen, zeigt ihnen unbekannte Stellen, erzählt spannende Einsätze aus seinem Berufsleben und gewährt Einblicke in Ermittlungen, die den Hafen von einer neuen Seite zeigen. Darüber hinaus stellt das Autoren-Ehepaar Angélique und Andreas Kästner ihren neuen Krimi »Tod im Schatten der Elbflut« vor.

Herbstlese Blankenese, Barkasse Ennstal ab Fähranleger Blankenese, 17.30 Uhr, € 49,–


Lesung

»Der kleine Prinz«

Clemens von Ramin liest das berühmte Kunstmärchen von Antoine de Saint-Exupéry. Empfohlen ab 12 Jahren.

Planetarium, Linnering 1 b, 19.30 Uhr, € 22,–


Lesung op Hoch un Platt

Zwei Bauern erzählen

Matthias Stührwoldt und Karsten Lieberam-Schmidt lesen Geschichten und Gedichte.

Reinbeker Erdbeerfeld, Lohbrügger Straße, Zugang neben den Garagen von Haus Nr. 21, Reinbek, 15.00 Uhr, Eintritt frei


Buchdruckwerkstatt

»Satz und Druck«

In der Buchdruckwerkstatt des Museums der Arbeit lüften Mitarbeiter des Museums oder ehemalige Setzer und Drucker die Geheimnisse der »Schwarzen Kunst«.

Museum der Arbeit, Wiesendamm 3, 14.00 bis 15.00 Uhr, Museumseintritt, https://shmh.de


Aktuelle Buchempfehlungen



12.08.2025 | Literatur in Hamburg
Michael Maars neues Buch »Das violette Hündchen«

Am Wegrand des Großen und Ganzen

Michael Maar
Michael Maar, Foto: privat
Für sein Buch »Die Schlange im Wolfspelz« hat er sich auf die Suche nach dem »Geheimnis großer Literatur« gemacht und Geschichten über Geschichten gefunden, die sich zu einem einzigartigen und sehr unterhaltenden Lehrbuch über Literatur zusammenfügen. Mit seinem neuen Buch »Das violette Hündchen« (Rowohlt) knüpft er an den vielgelobten Besteller an, nur dass er bei seinem Parforceritt durch die Weltliteratur diesmal eine Spurensuche am Wegrand des Großen und Ganzen unternimmt und »Große Literatur im Detail« vorstellt. Es ist eine literarische Entdeckungsreise und Verführung zum Lesen.


10.08.2025 | Literatur in Hamburg
Mirko Bonnés neuer Gedichtband »Wege durch die Spiegel«

Was vom Wind abhängt

Mirko Bonné
Mirko Bonné, Foto: Beowulf Sheehan
In seiner großen poetischen Fülle und Brillanz ein Ereignis: Gelehrt, witzig, verspielt und getragen vom großen Formenreichtum moderner Lyrik, das ist Mirko Bonnés neuer Gedichtband »Wege durch die Spiegel« (Schöffling & Co.). Und es ist ein schönes Buch, das sich mit drei Wespen auf dem Cover vor einem großen, knallgelben B und einem Gedicht über die »Guêpes« auch sehen lassen kann. Erst im Frühjahr wurde Mirko Bonné in Hamburg mit dem Hubert-Fichte-Preis ausgezeichnet, das große Lesepublikum in Deutschland kennt ihn vor allem durch seine Romane, er gilt aber auch als einer der bedeutendsten deutschen Dichter der Gegenwart.


17.06.2025 | Literatur in Hamburg
Tamar Noorts neuer Roman »Der Schlaf der Anderen«

Wie Träume wahr werden

Tamar Noort
Tamar Noort, Foto: Tara Wolff
Für einen Auszug aus ihrem Romandebüt »Die Ewigkeit ist ein guter Ort« wurde Tamar Noort mit dem Hamburger Literaturpreis ausgezeichnet und hat viele begeisterte Leser:innen im Hier und Jetzt erreicht. Eine wundervoll leichte und wendungsreiche Sommerlektüre legt die niederländisch-deutsche Autorin und Filmemacherin, die im Wendland lebt, mit ihrem zweiten Roman »Der Schlaf der Anderen« (Kindler) vor. Erzählt wird von einer tiefen Lebenskrise und der höchst unterhaltenden Suche nach einem neuen Takt für einen Alltag, dessen bestimmende Parameter ganz auf Selbstausbeutung und Fremdbestimmung beruhen.


01.06.2025 | Literatur in Hamburg
Friederike Gräffs neuer Erzählband

Frau Kleinhans hebt ab

Friederike Gräff, Foto: Julia Baier
Was ist quietschgelb und hat einen Pinguin mit einem Stuhl vorne drauf? Richtig, es ist das neue Buch der Hamburger Autorin und Journalistin Friederike Gräff. Der Titel des Erzählbandes und sein erster Satz ist »Frau Zilius legte ihr erstes Ei an einem Donnerstag«, und man kann sagen, dass es damit nicht nur richtig gut los-, sondern auch so weitergeht. Es ist eines der besonders lesenswerten Bücher der Saison, aber es spricht auch nichts dagegen, es sich nur zu kaufen, weil es ein Hingucker ist.


30.05.2025 | Literatur in Hamburg
Johannes Franzens Studie »Wut und Wertung«

Die Sache mit der Wut

Johannes Franzen
Johannes Franzen, Foto: Marion Koell
Worüber streiten wir uns eigentlich, wenn wir uns über Songs, ein Gedicht, einen Roman, ein Theaterstück oder eine Serie in die Haare kriegen? Woher kommt die Wut, mit der über Kultur gestritten wird? Und warum ist die Fähigkeit über ein Lieblingsbuch zu streiten, eine wichtige Kulturtechnik? Davon erzählt der Literaturwissenschaftler Johannes Franzen in seinem Buch »Wut und Wertung« (S. Fischer). Es ist eine kluge Analyse, die vor allem anderen zeigt, wie wichtig und produktiv Konflikte sein können.


30.04.2025 | Literatur in Hamburg
Jonas Lüschers »Verzauberte Vorbestimmung«

Von Menschen und Maschinen

Jonas Lüscher, Foto: Peter Hassiepen
Es ist ein eher schmales Werk, das Jonas Lüscher bisher vorgelegt hat, und doch gehört er zu den am meisten beachteten Autoren der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Zum gefeierten und mehrfach ausgezeichneten Bestseller wurde schon das Debüt des schweizerisch-deutschen Schriftstellers, die 2013 erschienene Novelle »Frühling der Barbaren«. Es folgten 2017 der Roman »Kraft«, mit dem er den Schweizer Buchpreis gewann, und in diesem Frühjahr »Verzauberte Vorbestimmung« (Hanser). Mit dem einzigartigen und höchst virtuos erzählten Roman durchquert er die Jahrhunderte und Schauplätze für eine Annäherung an das komplexe Verhältnis von Mensch und Maschine.


28.04.2025 | Literatur in Hamburg
Rachel Kushners neuer Roman »See der Schöpfung«

Pfade des Widerstands

Rachel Kushner, Foto: Gaby Laurent
Rachel Kushner ist eine der international bekanntesten Autorinnen der US-amerikanischen Literatur, ihr Roman »Flammenwerfer« wurde weltweit gefeiert und von Jonathan Franzen über Joshua Ferris bis zu Colum McCann als bestes Beispiel dafür gelobt, was einen guten Roman ausmacht. In diesem Frühjahr ist, nach ihrer Essaysammlung »Harte Leute« (2022), nun der 2024 für den National Book Award und den Booker Prize nominierte Roman »See der Schöpfung« von ihr erschienen. Es ist ein ziemlich cooler und kluger Spionageroman, der in einer entlegenen Gegend in Südfrankreich spielt.


30.04.2025 | Literatur in Hamburg
Rebekka Franks neuer Roman »Stromlinien«

Vom Gewicht des Schweigens

Rebekka Frank, Foto: Lexa Rost
Rebekka Frank ist eine dieser Autorinnen, die es mehrfach gibt. Unter dem Pseudonym Rebekka Eder hat sie den historischen Roman »Der Duft von Zimt« veröffentlicht, einen Longseller über die Erfindung des Franzbrötchens und weitere historische Romane. Auch unter ihrem Geburtsnamen Rebekka Knoll sind schon einige Bücher erschienen, und unter ihrem tatsächlichen Namen Rebekka Frank hat sie gerade bei S. Fischer ihren zweiten Roman vorgelegt. In einem gelungenen Genremix aus Coming-of-Age, Krimi und Familienroman verbindet sie in »Stromlinien« eine rasante und höchst unterhaltende Geschichte mit einer Hommage an die Elbe, die Lühe und das Marschland.


30.03.2025 | Literatur in Hamburg
Kristine Bilkaus neuer Roman »Halbinsel«

Nimm dich da raus

Kristine Bilkau, Foto: Thorsten Kirves
An der feinen Nahstelle, an der sich unsere Wünsche, Träume und Hoffnungen in der Realität verfangen, entfaltet Kristine Bilkau die Szenarien ihrer vielfach ausgezeichneten Romane. Mit »Nebenan« stand sie zuletzt 2022 auf der Shortlist zum Deutschen Buchpreis. In ihrem neuen Roman »Halbinsel« (Luchterhand), der im März mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet wurde, verhandelt sie in einem wunderbar leichten Stil die gesellschaftlich-politische Großwetterlage unserer Zeit im Binnenraum der Beziehung einer Mutter und einer Tochter.


26.03.2025 | Literatur in Hamburg
Die 19. Ausgabe des Hamburger Literaturjahrbuchs ZIEGEL

Das Pappreptil beißt lautlos zu

Illustration von Moritz Wienert aus dem ZIEGEL #19 © Moritz Wienert
Das Hamburger Literaturjahrbuch ist ein Unikum in der deutschsprachigen Publikationslandschaft. Mit dem jetzt neu vorliegenden ZIEGEL sind in über 30 Jahren 19 Ausgaben der beliebten Anthologie erschienen, die eine Chronik der Hamburger Literatur von der Wiedervereinigung bis in die Gegenwart bilden. Ein vielschichtiges Best-of mit Erzählungen, Gedichten, Auszügen aus Romanen, Theaterstücken und Comics von Hamburger Autor:innen aus den letzten zwei Jahren versammelt die neue Ausgabe. Es ist zwar ein schweres Buch«, schwärmte das NDR Hamburg Journal, »aber es liest sich federleicht«.


25.03.2025 | Literatur in Hamburg
Annika Büsings neuer Roman »Wir kommen zurecht«

Wie es mit Geistern so ist

Annika Büsing, Foto: Lauree Thomas
Mit Katastrophen kennt Annika Büsing sich aus. Ihr gefeiertes Debüt »Nordstadt«, für das sie mit dem Mara-Cassens-Preis des Hamburger Literaturhauses und dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet wurde, und ihr hochgelobter zweiter Roman »Koller« sind Sozialdramen, die in höchst prekären Verhältnissen spielen. Gleichzeitig erzählen sie mit großer Leichtigkeit und viel Humor auch Liebesgeschichten. In ihrem neuen Roman »Wir kommen zurecht« ist das Setting nun etwas anders, es geht um eine Familie in der bürgerlichen Mitte der Gesellschaft, die an der psychischen Erkrankung der Mutter fast zerbricht.


20.03.2025 | Literatur in Hamburg
Steffen Kopetzkys neuer Roman

Unter dem Bann des Atoms

Steffen Kopetzky, Foto: Jana Mai
Die Verknüpfung von präzise recherchierten historischen Stoffen mit stets durch einen Anflug von Ironie gebrochenen fiktiven Geschichten sind das Markenzeichen der Romane von Steffen Kopetzky. Dabei gelingt es dem in Pfaffenhofen lebenden, vielfach ausgezeichneten Schriftsteller immer wieder an Themen anzuknüpfen, die in der Gegenwart plötzlich große Relevanz haben. So ist es auch bei seinem in diesem Frühjahr neu erschienenen Roman »Atom« (Rowohlt), der meisterhaft vom Wettlauf um die Atombombe erzählt.


13.03.2025 | Literatur in Hamburg
Katharina Hagenas Roman »Flusslinien«

Die Wolken immer im Blick

Katharina Hagena, Foto: Heike Steinweg
In der Literatur der Hamburger Schriftstellerin Katharina Hagena spielen Naturräume eine ganz besondere Rolle. So ist es auch in ihrem brillanten neuen Roman »Flusslinien« (Kiepenheuer & Witsch), in dem das Falkensteiner Ufer an der Elbe und der Römische Garten in Blankenese die Bühne für ein großes Welttheater über die Liebe und den Tod, Freundschaft und Verrat bilden. Im Zentrum stehen eine sehr alte Dame, ihr Fahrer und ihre Enkelin, aber auch die erste Obergärtnerin Deutschlands. Gastauftritte haben der endemische Schierlingswasserfenchel, eine Nacktschnecke, ein Maulwurfsweibchen, Wildgänse – und ein Orchester für Luftinstrumente.


04.03.2025 | Literatur in Hamburg
Ella Carina Werners »Feministische Tiergedichte«

Existenzielle Fragen aus dem Tierreich

Ella Carina Werner, Foto: Julia Schwendtner
Es ist ein tierisches Vergnügen, zu dem die Titanic-Herausgeberin Ella Carina Werner und die Illustratorin Juliane Pieper mit ihrem neuen Buch einladen. Feministische Themen sind wichtig und ernst, aber sie können auch sehr, sehr lustig sein! Denn wo sonst gibt es so viel Konfliktpotential, Widersprüche und Missverständnisse als in Liebebeziehungen? Und welche Textform kann das prägnanter auf den Punkt bringen als das kurze Reimgedicht, insbesondere das traditionsreiche »Tiergedicht«? Bisher wurde das Genre vor allem von Männern bespielt, Ella Carina Werner erweitert den Blick nun ein für allemal um eine feministische Perpektive.


28.02.2025 | Literatur in Hamburg
Der neue Roman von Wolf Haas

Eine vertrackte Angelegenheit

Wolf Haas, Foto: Heike Huslage-Koch
Mit dem wunderbar schrägen Coming-of-Age-Roman »Junger Mann« und einer großen »Verteidigung der Missionarsstellung«, die von einem aussichtslosen Kampf gegen die Liebe erzählt, hat er längst bewiesen, dass er auch anders kann. Doch bekannt wurde Wolf Haas mit seinen Krimis um den Ermittler Simon Brenner. Sie gehören zum Besten, was das Genre in der deutschsprachigen Literatur in den letzten Jahrzehnten hervorgebracht hat. Daran knüpft er mit seinem neuen Roman »Wackelkontakt« (Hanser) insofern an, als dass es sich vom funkenschlagenden Kurzschluss zum Auftakt bis zum finalen Klingeln des Elektrikers am Ende um einen waschechten Mafia-Krimi handelt. Nur, was heißt das schon bei einem Autor wie Wolf Haas?


28.02.2025 | Literatur in Hamburg
Dmitrij Kapitelmans »Russische Spezialitäten«

Den Bruderkuss üben

Dmitrij Kapitelman, Foto: Paula Winkler
Es ist ein Feuerwerk der Ironie und sprachlichen Feinheiten, das Dmitrij Kapitelman auch in seinem dritten Roman mit einem untrüglichen Gespür für punktgenau gesetzte Pointen entfacht, und es beginnt schon mit dem Titel »Russische Spezialitäten« (Hanser Berlin). Dazu gehören bei Kapitelman nicht nur Wodka, Kwas, Kaviar und Matrjoschkas, sondern auch der politisierte Wetterbericht, die »Tomatentrauer« und ein KGBschnik als Präsident. All das könnte einfach nur lustig sein, doch es geht um ein bitterernstes Thema, das Familien, Freundschaften und ganze Gesellschaften spaltet.


28.01.2025 | Literatur in Hamburg
Julia Schochs Roman »Wild nach einem wilden Traum«

Herzensangelegenheiten

Julia Schoch, Foto: Jürgen Bauer
Für die ersten beiden Romane ihrer »Biographie einer Frau« wurde Julia Schoch mehrfach ausgezeichnet und in der Kritik als »Virtuosin des Erinnerungserzählens« (FAZ) gefeiert. Jetzt ist mit »Wild nach einem wilden Traum« (DTV) der dritte Band der Trilogie erschienen. Es ist erneut ein glänzend erzählter Pageturner, tiefgründig und gleichzeitig leicht. Allen drei Romanen gemeinsam ist, dass sie mit einem Paukenschlag beginnen, mit einem Ereignis, das die Erzählerin dazu zwingt, ihr Leben zu revidieren, ihre Sicht auf die Dinge, ihre Arbeit und die Menschen, die ihr nahestehen.


28.01.2025 | Literatur in Hamburg
Ursula Krechels Roman »Sehr geehrte Frau Ministerin«

Mutter ist die beste

Ursula Krechel, Foto: Heike Steinweg
Ihre vor zwei Jahren erschienenen Essays »Gehen. Träumen. Sehen. Unter Bäumen.« (Jung und Jung) laden zu Exkursionen in Räume des Denkens und Schauens ein, in denen die Bezüge über Casanova, Friedrich den Großen und Daniil Charms bis zu Rolf Dieter Brinkmann reichen. Es ist nur eine Station im weitläufigen Werk der in Berlin lebenden, vielfach ausgezeichneten Schriftstellerin Ursula Krechel. In ihrem neuen Roman »Sehr geehrte Frau Ministerin« (Klett-Cotta) erzählt sie von den manchmal auch abgründigen Beziehungen zwischen Söhnen und ihren Müttern, von existenziell gefährdeten Frauen und von politischer Gewalt.


01.12.2024 | Literatur in Hamburg
Andreas Reckwitz´ »Verlust - Ein Grundproblem der Moderne«

Auf der Schattenseite des Fortschritts

Andreas Reckwitz, Foto: Jürgen Bauer
Er gilt als einer der bedeutenden Impulsgeber gesellschaftsanalytischer Debatten der Gegenwart: Andreas Reckwitz hat 2017 mit seinem Buch »Die Gesellschaft der Singularitäten« eine Generaltheorie der spätmodernen Gesellschaften vorgelegt, es ist eines der meistdiskutieren Bücher der letzten Jahre – und ein preisgekrönter Bestseller. In diesem Herbst ist nun ein neues Buch von dem Professor für Soziologie an der Humboldt-Universität zu Berlin erschienen, das »Ein Grundproblem der Moderne« beleuchtet: »Verlust« (Suhrkamp Verlag).


01.12.2024 | Literatur in Hamburg
Heinz Strunks »Zauberberg 2«

Die endlos strapazierte Hoffnung

Heinz Strunk
Heinz Strunk, Foto: Dennis Dirksen
Seine beiden zuletzt erschienenen Romane »Es ist immer so schön mit dir« und »Ein Sommer in Niendorf« waren für den Deutschen Buchpreis nominiert und Bestseller, und an seinem Erzählband »Der gelbe Elefant« hat sich eine ganze Entourage der deutschen Literaturkritik abgearbeitet. Die bekommt mit dem neuen Roman von Heinz Strunk jetzt so richtig was zu tun, denn der Hamburger Schriftsteller, Musiker und Schauspieler hat mit »Zauberberg 2« eine Hommage an einen Klassiker und Jahrhundertroman der deutschen Literatur vorgelegt.


01.12.2024 | Literatur in Hamburg
Der neue Roman von Olga Grjasnowa

»Juni, Juli, August«

Olga Grjasnowa, Foto: Benner
Schon mit ihrem Romandebüt »Der Russe ist einer, der Birken liebt«, in dem sie die Geschichte einer Generation erzählt, die keine Grenzen kennt, aber auch keine Heimat hat, wurde Olga Grjasnowa mehrfach ausgezeichnet und erreichte ein großes Lesepublikum. Menschen mit gebrochenen Lebensläufen stehen auch im Zentrum ihrer folgenden, stets temporeichen und höchst unterhaltenden Romane. In »Juni, Juli, August« erzählt sie von einer modernen jüdischen Familie und von der Suche einer jungen Mutter nach Halt und Orientierung in ihrer Herkunftsgeschichte.


01.11.2024 | Literatur in Hamburg
Richard Powers neuer Roman »Das große Spiel«

Ein ozeanisches Vergnügen

Richard Powers, Foto: Mike Belleme
Kaum ein anderer Schriftsteller der Gegenwart hat das Wissen unserer Zeit so bewegend in Geschichten eingefangen wie Richard Powers. Über ein Dutzend Wissenschaftsromane sind von dem vielfach preisgekrönten Schriftsteller in den letzten Jahrzehnten erschienen. Ein eher anekdotisches Zwischenstück bildet in dieser Publikationsgeschichte »Das Buch Ich # 9«: Powers ist der neunte Mensch, dessen Genom vollständig entschlüsselt wurde. Mit seinem virtuos komponierten neuen Roman »Das große Spiel« (Penguin, Deutsch von Eva Bonné), lädt er auf ein kleines, vernarbtes Paradies in Französisch-Polynesien und zu einem furiosen Ausflug in die Welt der Riesenmantas.


01.11.2024 | Literatur in Hamburg
Gaea Schoetters neuer Roman »Trophäe«

Ein folgenschwerer Deal

Gaea Schoeters, Foto: Sébastien Van Malleghem
Das Thema des neuen Romans der flämischen Autorin, Journalistin und Librettistin Gaea Schoeters ist alles andere als eingängig. Sogar die Autorin selbst sagt, dass sie es noch vor wenigen Jahren ausgeschlossen hätte, jemals über Großwildjagd zu schreiben. Doch genau darum geht es in »Trophäe« (Zsolnay), einem Pageturner mit höchster Sogkraft, der eine große Parabel über koloniale Finsternisse in der Gegenwart erzählt und von dem Phantombild eines wilden und echten Afrikas, dem schon Hemingway nachjagte.