Montag, 17.06.2013


Lesung

„Im Zauberberg. Das Begehren und die Literatur“

Uwe Timm liest neue Texte.

Veranstalter: Freie Akademie der Künste. Klosterwall 23, 19.00 Uhr. Eintritt: 10.-/8.- Euro.


Philosophisches Café

„Die vertagte Krise“

Oliver Hermann
Wolfgang Streeck, Foto: Jürgen Bauer
Beim philosophischen Café im Literaturhaus gastiert der Direktor am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln, Wolfgang Streeck, der dem zur Zeit vielleicht spannendsten und auch unklarsten Thema auf der Spur ist: der Krise, die nicht enden will, ein diffuses Gefühl der Ratlosigkeit erzeugt und uns immer wieder in Atem hält. Auf schier unüberschaubare Probleme folgen Maßnahmen, die wie Notoperationen am offenen Herzen der westlichen Welt wirken – durchgeführt scheinbar ohne Kenntnis der Krankengeschichte. So ernst die Lage ist, so wenig scheinen wir zu verstehen, was genau vor sich geht. Und wie es dazu kommen konnte. Wolfgang Streeck legt in seiner Frankfurter Adorno-Vorlesung, erschienen in diesem Frühjahr unter dem Titel „Gekaufte Zeit – Die vertagte Krise des demokratischen Kapitalismus“ bei Suhrkamp, die Wurzeln der gegenwärtigen Finanz-, Fiskal- und Wirtschaftskrise frei, indem er sie als Moment einer langen neoliberalen Transformation des Nachkriegskapitalismus beschreibt. Streeck argumentiert: Wir müssen wieder über den Kapitalismus sprechen, ihn nicht nur als einen Gesellschaftsapparat, sondern als Akteur begreifen. Seine fortgesetzte „Landnahme“ beschädige die „Lebenswelten“. Unter den Überlebensimperativen der „Märkte“ und „systemrelevanter Banken“ drohe demokratische Politik obsolet zu werden. Seit den siebziger Jahren werde Zeit gekauft. Zunächst mit Inflation, dann mit Staatsverschuldung und schließlich zur Unterstützung der Gläubiger auf Kosten aller. Nun treffen eine Bankenkrise, eine der Staatsfinanzen und eine der Realökonomie aufeinander. Aber niemand hat Lösungen. Auch Streeck nicht: „Überall tun sich Löcher auf, die man nur stopfen kann, wenn man anderswo andere reißt. Niemals nach dem Zweiten Weltkrieg hat man die versammelten Regierungen des kapitalistischen Westens so ratlos gesehen und hinter den Fassaden optimistischer Gelassenheit und gefahrenerprobter Situationsbeherrschung so viele blanke Panik ahnen können wie heute.“ Wolfgang Streeck stellt sein Buch im Literaturhaus vor und zur Diskussion. Moderation: Reinhard Kahl.

Veranstalter: Literaturhaus. Schwanenwik 38, 19.00 Uhr. Eintritt: 10.-/8.– Euro.