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Mittwoch, 22.01.2020


Lesung mit Jonathan Safran Foer

Es ist ja nur Wetter

Jonathan Safran Foer
Jonathan Safran Foer, Foto: Jeff Mermelstein
Was denn nun richtig sei und zu tun, steht als Frage plötzlich überall im Raum. Es muss nur eine ungewöhnlich milde Wetterphase im Herbst geben oder einen Wintersturm, der Bäume auf die Bahngleise legt, sofort raunt es aus allen Ecken: »Ist das noch Wetter oder schon Klimawandel?« Kein anderes Thema ist in den letzten Monaten so intensiv und kontrovers diskutiert worden. Befeuert wird die Debatte durch die inzwischen weltweite Jugend- und Klimaschutz-Bewegung »Fridays for Future«, die flammenden Auftritte der sechzehnjährigen Klima-Aktivistin Greta Thunberg, aber auch durch jemanden wie Richard David Precht. Der Philosoph fordert von der Politik Verbote, um eine »Ökodiktatur« in der Zukunft zu verhindern. Das wäre sicher auch Jonathan Safran Foer recht, doch in seinem Buch »Wir sind das Klima« macht er einen anderen Vorschlag, der uns individuell in die Pflicht nimmt.

Bis er zum Thema kommt, braucht Jonathan Safran Foer mehrere Anläufe und erlaubt sich am Ende auch wieder mehrere Auslaufrunden, zu denen ein »Gespräch mit der Seele«, »Mehr Leben« und ein Anhang von 60 Seiten gehören, der zeigt, welch enormer Rechercheaufwand in das Buch eingeflossen ist. Zu Beginn legt er mehrere historische Fäden aus, erzählt von seiner Familiengeschichte, von »emotionalen Grenzen« und der Schwierigkeit etwas zu glauben, das, wie der Klimawandel, nicht durch unmittelbare Wahrnehmung verbürgt werden kann. Es ist ja nur Wetter, was wir erleben, nur Umwelt. Erst auf Seite 72 gibt Foer schließlich ein »Handzeichen« und man erfährt, worum es ihm geht: Er plädiert dafür, dass wir alle anders essen. Wer es eilig hat, kann eine Abkürzung nehmen: Von Seite 92 bis 117 sind die wichtigen Punkte in kurzen Aufzählungen zusammengefasst. Da erfährt man, dass »Menschen 0,01 Prozent des Lebens auf der Erde stellen«, aber »neunundfünfzig Prozent des verfügbaren Landes zum Anbau von Tierfutter« nutzen. Nutztierhaltung ist zu über 90 Prozent für die Rodungen im Amazonas verantwortlich und ein »Hauptverursacher« des Klimawandels. Die Schlussfolgerung daraus kann nur eine Ernährungsumstellung sein. Jonathan Safran Foers Vorschlag dazu ist keineswegs radikal, er will niemanden überreden, in Zukunft ausschließlich vegan zu leben, sondern gibt lediglich eine Leitmaxime vor: »keine tierischen Produkte vor dem Abend«. Dafür wünscht er sich eine große Bewegung. Doch wie schwer derartige Vorsätze einzuhalten sind, hat er auch selbst schon erfahren. Obwohl er durch sein Buch »Tiere essen« zu einem strengen Gegner von Massentierhaltung wurde, hat er »in schwierigen Zeiten« Fleisch gegessen, »meistens Burger« am Flughafen. Was der Autor da an seiner eigenen Person exemplifiziert, ist ein Beispiel für die Grenzen individuellen Handelns. Etwas ratlos fragt man sich nach der Lektüre von »Wir sind das Klima« deshalb, wo eigentlich die Politik bleibt, die das, was Foer aufwirft, in gültige und rasch umsetzbare Regeln für ein gemeinsames Handeln übersetzt.

cohen + dobernigg Buchhandel, »Die Zeit« und avocadostore.de in der Laeiszhalle, Johannes-Brahms-Platz, 20.00 Uhr, € 18,–/15,–


Lesung

»Warum Demokratien Helden brauchen«

Dieter Thomä stellt sein »Plädoyer für einen zeitgemäßen Heroismus« vor und zur Diskussion. Moderation: Wolfram Eilenberger.

Philosophisches Café im Literaturhaus, Schwanenwik 38, 19.00 Uhr, € 14,–/10,–


Lesung

»Bitte nehmen sie meine Hand da weg«

Paul Bokowski liest aus seinem Buch.

Grüner Jäger, Neuer Pferdemarkt 36, 20.30 Uhr