Montag, 22.09.2025
Lesung mit Gaël Faye
»Jacaranda«
Gaël Faye, Foto: JF Paga
Milan ist ein ganz normaler Junge, der mit seinen Eltern in Versailles lebt und lange überhaupt nichts von dem weiten Horizont seiner Familiengeschichte weiß. Erst als eines Tages auch in Frankreich verstörende Bilder aus Ruanda in den Abendnachrichten gezeigt werden und dann auch noch Claude auftaucht, ein Junge ungefähr in seinem Alter, der ihm von seiner Mutter als Verwandter aus Ruanda vorgestellt wird. Es ist der Beginn einer innigen Freundschaft, obwohl Claude schon nach kurzer Zeit wieder nach Ruanda zurückkehrt. Erst als Jugendlicher reist Milan dann selbst nach Ruanda, in das Land, aus dem seine Mutter stammt, und begegnet dort nicht nur Claude wieder, sondern auch dem dubiosen Sartre, der in Kigali ein Domizil für verwaiste Kinder und Jugendliche betreibt. Doch auch auf dieser Reise verweigert ihm seine Mutter beharrlich, seine Fragen nach seiner Herkunft und der Familie in Ruanda und Burundi. Warum erzählt sie nie aus ihrer Kindheit und Jugend? Und warum hat sie selbst als junge Frau das Land verlassen?
Milan reist in den Jahren darauf immer wieder auf eigene Faust nach Ruanda. Nach und nach begreift er, warum seine Mutter nicht sprechen will, und deckt schließlich nicht nur seine weit verzweigte Familiengeschichte auf, sondern auch die Ursprünge eines familiären Traumas, das tief mit der Geschichte des Landes und dem Konflikt zwischen den Tutsi und Hutu verbunden ist, der 1994 in Ruanda zu einem Völkermord führte.
Ein Ereignis ist dieser Roman, weil es Gaël Faye gelingt, eine unmittelbare und unprätentiöse Sprache für ein Geschehen zu finden, für das es keine angemessenen Worte gibt. Er zeigt damit einen Weg des Erinnerns, der nicht von Verdrängung und Leugnung bestimmt wird und so in eine friedvollere Zukunft weist.
Literaturhaus, Schwanenwik 38, 19.30 Uhr, € 16,–/12,–/Streaming € 6,–
Lesung mit Edouard Louis
»Der Absturz«
Édouard Louis, Foto: Christian Werner
In mehreren Büchern hat Edouard Louis in den letzten Jahren aus den prekären Lebensverhältnissen seines Vaters und seiner Mutter erzählt, zuletzt erschien erst in diesem Januar mit »Monique bricht aus« ein einfühlsames und zartes Porträt einer Mutter, die für ihre Selbstbestimmung kämpft. Von seinem Bruder, einem ständig scheiternden Träumer und tragischen Phantasten, der in Alkohol- und Spielsucht versinkt, erzählt er in seinem neuen Roman.
Moderation: Natalja Starosta. Deutscher Text: Johannes Hegemann.
Harbour Front Literaturfestival in der Laeiszhalle, Gorch-Fock-Wall 21, 19.30 Uhr, € 29.95
Poetry Slam
U20 Poetry Slam
Poetry Slam für Menschen unter 20 Jahren. Moderation: Isa Bögershausen.Kampf der Künste im Haus 73, Schulterblatt 73, 19.30 Uhr, € 7,45
Museum der Arbeit
Offene Werkstatt: Buchbinden
Besucher des Museums erfahren in einer offenen Werkstatt, wie sie ihr altes Lieblingsbuch retten können, oder bekommen Unterstützung bei der Planung eigener, kleiner Buchbindeprojekte.Museum der Arbeit, Wiesendamm 3, 17.00 Uhr, Museumseintritt plus Materialkosten
Museum der Arbeit
Offene Werkstatt: Buchdruck
Die Offene Werkstatt hat eine lange Tradition und ist besonders beliebt bei allen, die das Museum bei der Arbeit erleben wollen. Ehemalige Setzer und Drucker sowie angelernte Kolleginnen und Kollegen geben einen Einblick in ihren früheren Arbeitsalltag und helfen bei der Herstellung eigener kleiner Drucksachen.Museum der Arbeit, Wiesendamm 3, 18.00 Uhr, Museumseintritt plus Materialkosten
Aktuelle Buchempfehlungen
Gaël Fayes Roman »Jacaranda«
Eine Erinnerungsraum für die ganze Geschichte
Gaël Faye, Foto: JF Paga
Michael Maars neues Buch »Das violette Hündchen«
Am Wegrand des Großen und Ganzen
Michael Maar, Foto: privat
Mirko Bonnés neuer Gedichtband »Wege durch die Spiegel«
Was vom Wind abhängt
Mirko Bonné, Foto: Beowulf Sheehan
Tamar Noorts neuer Roman »Der Schlaf der Anderen«
Wie Träume wahr werden
Tamar Noort, Foto: Tara Wolff
Friederike Gräffs neuer Erzählband
Frau Kleinhans hebt ab
Friederike Gräff, Foto: Julia Baier
Johannes Franzens Studie »Wut und Wertung«
Die Sache mit der Wut
Johannes Franzen, Foto: Marion Koell
Jonas Lüschers »Verzauberte Vorbestimmung«
Von Menschen und Maschinen
Jonas Lüscher, Foto: Peter Hassiepen
Rachel Kushners neuer Roman »See der Schöpfung«
Pfade des Widerstands
Rachel Kushner, Foto: Gaby Laurent
Rebekka Franks neuer Roman »Stromlinien«
Vom Gewicht des Schweigens
Rebekka Frank, Foto: Lexa Rost
Kristine Bilkaus neuer Roman »Halbinsel«
Nimm dich da raus
Kristine Bilkau, Foto: Thorsten Kirves
Die 19. Ausgabe des Hamburger Literaturjahrbuchs ZIEGEL
Das Pappreptil beißt lautlos zu
Illustration von Moritz Wienert aus dem ZIEGEL #19 © Moritz Wienert
Annika Büsings neuer Roman »Wir kommen zurecht«
Wie es mit Geistern so ist
Annika Büsing, Foto: Lauree Thomas
Steffen Kopetzkys neuer Roman
Unter dem Bann des Atoms
Steffen Kopetzky, Foto: Jana Mai
Katharina Hagenas Roman »Flusslinien«
Die Wolken immer im Blick
Katharina Hagena, Foto: Heike Steinweg
Ella Carina Werners »Feministische Tiergedichte«
Existenzielle Fragen aus dem Tierreich
Ella Carina Werner, Foto: Julia Schwendtner
Der neue Roman von Wolf Haas
Eine vertrackte Angelegenheit
Wolf Haas, Foto: Heike Huslage-Koch
Dmitrij Kapitelmans »Russische Spezialitäten«
Den Bruderkuss üben
Dmitrij Kapitelman, Foto: Paula Winkler
Julia Schochs Roman »Wild nach einem wilden Traum«
Herzensangelegenheiten
Julia Schoch, Foto: Jürgen Bauer
Ursula Krechels Roman »Sehr geehrte Frau Ministerin«
Mutter ist die beste
Ursula Krechel, Foto: Heike Steinweg
Andreas Reckwitz´ »Verlust - Ein Grundproblem der Moderne«
Auf der Schattenseite des Fortschritts
Andreas Reckwitz, Foto: Jürgen Bauer
Heinz Strunks »Zauberberg 2«
Die endlos strapazierte Hoffnung
Heinz Strunk, Foto: Dennis Dirksen
Der neue Roman von Olga Grjasnowa
»Juni, Juli, August«
Olga Grjasnowa, Foto: Benner
Richard Powers neuer Roman »Das große Spiel«
Ein ozeanisches Vergnügen
Richard Powers, Foto: Mike Belleme
Gaea Schoetters neuer Roman »Trophäe«
Ein folgenschwerer Deal
Gaea Schoeters, Foto: Sébastien Van Malleghem








