Veranstaltungen

Dienstag, 22.10.2019


Lesung

»Komm! ins Offene, Freund!«

Rüdiger Safranski stellt beim »Philosophischen Café« seine Biographie über den Dichter, Übersetzer, den Hauslehrer und Revolutionär Friedrich Hölderlin vor, dessen 250. Geburtstag sich im März 2020 jährt. Moderation: Wolfram Eilenberger.

Literaturhaus, Schwanenwik 38, 19.30 Uhr, € 14,–/10,-


Jüdischer Salon

»Kafka geht ins Kino«

Hanns Zischler liest aus seinem Buch über Franz Kafka. Gastgeberin ist Marion Kollbach

Jüdischer Salon am Grindel im Café Leonar, Grindelhof 59, 20.00 Uhr, € 10,–/7,50, Kartenreservierungen über info@salonamgrindel.de oder unter Tel.: 0176 21 99 82 72


Ausstellungseröffnung und Lesung

»Unter der schwarzen weißen Schrift«

Peter Engel liest zur Vernissage einer Ausstellung mit Skizzen und Zeichnungen von Wolfgang Scholz aus seinem Gedichtband.

Kaffeehaus Pape 2, Hoheluftchaussee 5, 19.00 Uhr


»Der Norden liest«

Zufall, Fluch, Wimmelbild

 Saša Stanišić
Saša Stanišić, Foto: Katja Sämann
Es sei »ein Konstrukt«, heißt es da, »eine Art Kostüm« für immer, »Fluch« und »Vermögen«, »Zugehörigkeit, zu der man nichts beigesteuert hat«, »Kitsch« und »Wimmelbild«. All das gehört für Saša Stanišić; zur Herkunft, so wie die Häkchen in seinem Namen und die Jahre, in denen sein Aufenthalt in Deutschland nur zum Studium erlaubt war. In seinem neuen Buch »Herkunft« geht er all diesen Varianten nach. Sie tragen sich mal schneidend tief, dann an den lichteren Oberflächen in das Leben ein. Was seine Spurensuche dabei aber vor allem vorantreibt, was ihr den Takt vorgibt, ist das Vergessen. Von dem wird Kristina Stanišić; heimgesucht. Und ihr Enkelsohn Saša schreibt dagegen an, denn wer Geschichten erzählt, konstruiert Erinnerung. Saša Stanišić liest im Rahmen der Reihe »Der Norden liest« aus »Herkunft«. Moderation: Julia Westlake.

Das Land, in dem Saša Stanišić; 1978 geboren wurde, gibt es heute nicht mehr. Er flüchtete während des Bosnienkrieges im Alter von 14 Jahren mit seinen Eltern aus Višegrad in Bosnien nach Heidelberg, hat am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig studiert – und ist heute einer der bekanntesten und auch international erfolgreichsten Schriftsteller der deutschen Gegenwartsliteratur. Seine Familie lebt über die ganze Welt verstreut, sie sei »mit Jugoslawien auseinandergebrochen«, schreibt Stanišić; in »Herkunft«, und hätte sich danach »nicht mehr zusammensetzen können«. Sein »Geschichtenkitt« ändert an dieser Entfremdung nichts, obwohl er »das Heile beschwört und das Kaputte überbrückt«.

Zum Ausgangspunkt seiner Herkunftssuche wird ihm ein Dorf in den bosnischen Bergen, »das es bald nicht mehr geben« wird, weil dort kaum noch jemand lebt. Er besucht es zusammen mit seiner Großmutter Kristina. Dort oben in Oskoruša heißen sie alle Stanišić, und sie liegen fast alle auf dem Friedhof, auch seine Urgroßeltern. Zuerst macht er sich nicht viel daraus, »Zugehörigkeitskitsch«, denkt er, bis Kristina neun Jahre später vergesslich wird. Er beginnt eine große Recherche und findet unzählige Geschichten, von denen manche so wahr sind, wie es Geschichten nur sein können und andere so gut von ihm erfunden, dass man sie unbedingt glauben will. Sie erzählen von seinen Heimaten in Bosnien, in Deutschland und in der Sprache.

Saša Stanišić; beherrscht die Tempi perfekt, er ist ein großartiger Erzähler, spielerisch leicht findet er Pointen, wenn es seine Geschichte erlaubt und schweift ab, sobald der Text den größeren Atem braucht. Und am Ende geht das dann tatsächlich (fast) für immer so weiter mit dem Geschichtenerzählen. Die Leser können sich ihr eigenes Finale dieses Abenteuers zusamme brauen – und landen dabei zielsicher immer wieder mitten im Geschehen.

»Kulturjournal«, NDR Fernsehen, im Schloss Reinbek, Schlossstr. 5, 20.00 Uhr, € 12,–


Lesung mit Vea Kaiser

Wer den Teufel lang genug ruft

Vea Kaiser
Vea Kaiser, Foto: Ingo Petramer
Zwischen dem, was man glaubt, was man sich erhofft und wie es wirklich wird, gibt es nur allzu oft einen eklatanten Unterschied, das hat die Familie Prischinger in einer ganzen Reihe schlimmer Ereignisse früh erfahren und einen ehernen Kodex daraus abgeleitet: »Niemand wird zurückgelassen«. Es ist der Ausgangspunkt von »Rückwärtswalzer oder Die Manen der Familie Prischinger«, dem neuen Roman von Vea Kaiser. Mit großer Fabulierlust und einem tollen Mix aus literarischem Anspruch und Unterhaltung erzählt die österreichische Schriftstellerin und Altphilologin in einer rasanten Road-Novel die Lebensgeschichten von drei Schwestern und den Totengeistern, die sie auf einer skurrilen Reise begleiten.

Er ist als Schauspieler gescheitert, kann seine Wohnung nicht mehr bezahlen, und seine Lebensgefährtin hat ihn auch noch verlassen. Mit Geld kann Lorenz zwar niemand aus der Klemme helfen, doch sein Onkel Willi und seine Tante Hedi nehmen ihren Neffen mit offenen Armen bei sich auf. Die kleine Wohnung am Stadtrand von Wien ist seit Jahren Zentrum der Familie und Treffpunkt der verschrobenen, doch lebensklugen Schwestern Mirl, Hedi und Wetti. Im Wechsel mit den Ereignissen in der Gegenwart erzählt Vea Kaiser in »Rückwärtswalzer« von der schweren Kindheit, der Jugend und aus dem Leben der Schwestern, die auf einem Hof im österreichischen Waldviertel ohne Vater aufgewachsen sind und seitdem ein trauriges Geheimnis bewahren. Nur Willi, der eigentlich Koviljo Markovic heißt, ist in die Sache eingeweiht, weil sein Schicksal ähnlich schuldbeladen ist. Aufgegeben hat Willi dennoch nie.

»Wer den Teufel nur lange genug ruft, zu dem wird er auch kommen.« Mit diesem Sprichwort hat ihn in seiner Kindheit in einem Bergdorf in Montenegro sein Vater ermahnt, nicht vorschnell die Hoffnung zu verlieren. Jetzt gibt er es seinem liebeskranken Neffen Lorenz auf und stirbt dann prompt selbst. Das wäre eigentlich schon schlimm genug, doch Willi hatte immer den Wunsch, im Grab seiner Familie in Montenegro begraben zu werden, und dafür fehlt das Geld. Mirl, Hedi und Wetti beschließen kurzerhand, die Überführung der Leiche selbst zu übernehmen.

Mit Lorenz am Steuer und dem toten Willi auf dem Beifahrersitz eines Fiat Panda geht es von Wien aus über 1000 Kilometer in den Süden, bis sie an der Grenze zu Montenegro von einem Grenzbeamten gestoppt werden. Doch zum Glück sind auch die guten Totengeister der Familie mitgereist. Sie sorgen dafür, dass in dem mit viel Schwung, Humor und großer Sympathie für die Protagonisten erzählten Roman am Ende dann doch noch gesagt wird, wer zurückbleiben musste. Und die Lebenden mit den Toten ihren Frieden machen können.aus ihrem neuen Roman.

Sachsentor Buchhandlung im Kulturforum Serrahn, Serahnstr. 1, 19.30 Uhr