Alex Schulmans Roman »Jetzt beginnt das Leben«

Wie sich ein Trauma in ein Leben einträgt

Alex Schulman, Foto: Martin Cederblad
Es ist ein großartiger Pageturner, der in Schweden lange die Bestesellerlisten anführte: Alex Schulman erzählt in seinem in einer deutschen Übersetzung von Hanna Granz neu erschienenen Roman »Jetzt beginnt das Leben« (DTV) von einer minutiösen Ermittlung in einer Kindheit und zeigt, wie ein Trauma sich in ein Leben einträgt.

Bei einer Prügelei von zwei Schülern geht der Lehrer Vidar so gewaltvoll gegen einen der Schüler vor, dass er vom Schuldienst suspendiert wird und die Polizei gegen ihn ermittelt. Er selbst hat weder eine Erklärung für sein Verhalten noch kann er sich daran erinnern. Was ist passiert? Als er daraufhin zufällig zu Hause die Telefonnummer des alten Sommerhauses seiner Familie findet und dort anruft, meldet sich sein längst verstorbener Vater. Bald zeigt sich, dass Vidar am anderen Ende der Leitung immer den 17. Juni 1986 erreicht, einen Tag aus seinem Leben als Achtjähriger. Er hat nicht viele Erinnerungen an seine Kindheit, doch durch die Anrufe ploppen bald immer neue Sequenzen auf, und er beginnt eine minutiöse Recherche über alles, was sich an diesem Tag ereignete. Nur an eine »Grauzone« am Abend, in der sich ein »Albtraum« ereignet haben muss, kommt er nicht heran. Gleichzeitig gerät er durch sein auffälliges Verhalten immer weiter in die Bredouille und steht bald mit einem Bein im Gefängnis.

Es ist großes literarisches Kino, wie Alex Schulman ganz banale Ereignisse eines Sommertages zum Kosmos einer Kindheit verdichtet und dabei auf ganz unspektakuläre Weise in die verheerenden Abgründe eines Familiendramas blicken lässt, das sich als traumatische Erfahrung in ein Leben einträgt.

Alex Schulman, »Jetzt beginnt das Leben«, DTV, € 24,–

24.07.2026 | Jürgen Abel