Clara Umbachs Romandebüt »Pizza Orlando«

Von Springkraut und der Gretechenfrage

Clara Umbach
Clara Umbach, Foto: Tara Wolff
Es dauert einen Moment, bis man sich in das saloppe, alltagssprachliche Parlando aus Kurznachrichten eingehört hat, in dem die Hamburger Künstlerin und Autorin Clara Umbach ihren Roman »Pizza Orlando« (ecco) über weite Strecken erzählt. Doch dann trägt der ungewohnte Sound flüssig, leicht und sehr direkt durch die bewegende Geschichte einer unbedingten Liebe und all die Anfeindungen des Lebens, denen sie ausgesetzt ist.

Schon der Titel »Pizza Orlando« verrät, dass hier ein klassischer Topos der Literatur erzählt wird. Es ist eine Anspielung auf den berühmten Briefroman »Orlando« von Virginia Woolf, der von Woolfs Liebe zu Vita Sackville-West inspiriert ist. Clara Umbach fängt in ihrem Roman noch eine ganze Reihe weiterer Lektüre- und Musikhinweise ein, zu den Stilelementen gehören auch Fußnoten, Listen und die Dialoge unterbrechende Berichte und Reflektionen. All das zeigt den Versuch, irgendwie einordnen und verstehen zu wollen, was mit ihnen passiert, denn die Wucht, mit der Clara und Nina als Erwachsene urplötzlich ineinander fallen, obwohl sie sich schon seit ihrer Kindheit kennen, diese Unmittelbarkeit, erfahren sie beide als fast schon surreal.

Nach und nach fächert der Roman die erschwerten Bedingungen ihrer Liebe auf: Da ist die unheilbare Krankheit von Nina, die ihre Beziehung prägt, Claras Leben als alleinerziehende Mutter in einer anderen Stadt, der Alltag zwischen Studium und Arbeit, die Sehnsucht nach Verbindlichkeit, das Beieinander ankommen, der gemeinsame Sex, Geldsorgen, Intimes und Banales. All das fügt sich zu einem sehr bewegenden Liebesroman, der schließlich im Garten endet, bei Springkraut, gut gewachsenem Gemüse und mit der Erkenntnis: »mehr ist mehr«.

Clara Umbach, »Pizza Orlando«, ecco, € 22,–

30.03.2026 | Jürgen Abel