Dana Grigorceas neuer Roman »Tanzende Frau, blauer Hahn«
Variationen der Liebe
Schon für ihren zuletzt erschienenen Roman »Das Gewicht eines Vogels beim Fliegen« (2024) hat Dana Grigorcea eine kunstvolle Erzählfigur aufgeworfen und einen Roman im Roman erzählt, in dem die Grenzen zwischen Fiktion und Realität verschwimmen. In ihrem neuen Roman greift sie diese Mechanik auf ähnliche Weise wieder auf: Im Zentrum stehen Camil und Roxana, die sich Sommer für Sommer in den Ferien in dem kleinen Ort Buşteni in den rumänischen Bergen treffen. Aus nächster Nähe beobachten sie die Paare im Ort, ergründen die Variationen der Liebe, die sie verbindet und finden dabei auch ihr eigene Geschichte, die vielleicht einmal eine Liebesgeschichte werden könnte.
Eingebettet sind die Geschichten von »Madame Smara und ihrem Wunschbaum«, von der »schönen Frau Helman« und ihrem sehr viel kleineren Mann, von der »Schönheit im hellen Schein«, von Flori, Aurel, Brigitte und Panduru in eine Rahmenhandlung in der Gegenwart. Eine Autorin befindet sich mit einem Musiker auf einer Lese-reise durch Deutschland – und entfaltet unterwegs eben jenen Reigen aus Liebesgeschichten, die in diesem Buch erzählt werden. Es ist nicht die einzige Volte des meisterhaften Romans: Die überraschende Erzählperspektive wird erst ganz am Ende aufgedeckt und wirft dann noch einmal ein ganz anderes Licht auf alles, was bis dahin geschah.
Dana Grigorcea, »Tanzende Frau, blauer Hahn«, Penguin, € 22,–
28.05.2026 | Jürgen Abel


