Dana von Suffrins »Toxibaby«

Der böse Katzenfisch

Dana von Suffrin, Foto: Gunter Glücklich
In ihrem neuen Roman »Toxibaby« (Kiepenheuer und Witsch) erzählt Dana von Suffrin eine beinahe klassische Liebesgeschichte, nur dass sie etwas anders verläuft als die landläufige Vorstellung davon. Es geht um eine Beziehung, die alles erfüllt, was eine große Liebe ausmacht, sie bietet Rettung, Erkenntnis und Erlösung, aber leider immer nur bis zur nächsten Trennung. Ein gnadenloses On/Off-Beziehungstheater zwischen Höhenflug und Absturz, erzählt mit viel Sinn für Situationskomik und einer großen Portion Humor.

Bekannt und vielfach ausgezeichnet wurde die Schriftstellerin und promovierte Historikerin Dana von Suffrin schon mit ihrem Debüt »Otto« über einen jüdischen Patriarchen und seine Familie. Eine jüdische Familiengeschichte hat sie in ihrem zuletzt erschienenen Roman »Nochmal von vorne« erzählt, und auch in ihrem neuen Roman schwingt das ganze Schlamassel einer deutsch-jüdischen Sozialisation mit. Sie bildet den Lebenshintergrund der Erzählerin, und kann auch als bitterböse Binnensatire des Romans über eine deutsch-jüdische Schriftstellerin gelesen werden. Die steht mit dem schönen Namen Herzchen Goldberg mitten im Leben und schreibt seit Jahren an ihrem zweiten Roman, als sie den etwas älteren Toxi kennenlernt.

Dana von Suffrin entfaltet ihre »Legende von Toxi und Herzchen« in einer großen Klammer, die sich in Norditalien öffnet, wo sich das Glück einer jungen Liebe in all ihrer Unbedingtheit und Naivität zeigt. Toxi imponiert seiner Liebsten durch einen kunstvollen Sprung von einem Felsen in einen Fluss – und Herzchen will es ihm nachmachen, aber traut sie sich auch? Das bleibt bis ganz zum Schluss offen, wo sich die Klammer um den tiefen Liebesabgrund schließt, von dem der Roman erzählt.

In den ersten Wochen der Beziehung zeigt sich davon nichts, doch dann setzen ständige Streitereien ein. Herzchen erkennt, dass Toxi nicht nur schön und brillant ist und »alles Unglück der Welt« in sich vereint, sondern auch in einem fatalen Kreislauf aus Pulver, Alkohol und Arbeitslosigkeit gefangen ist. Es beginnt eine Grand Tour aus Trennungen und Versöhnungen, in deren Verlauf sich auf der Couch ihrer Psychotherapeutin immerhin klären lässt, warum Herzchen so oft von einem bösen Katzenfisch träumt und was bestimmend für ihre On/Off-Beziehung ist. Nur, all das ändert eben auch nichts daran, dass sich da zwei gefunden haben, die unbedingt gemeinsam am Liebesabgrund entlang tanzen wollen. Rettung ausgeschlossen.

Dana von Suffrin, »Toxibaby«, Kiepenheuer & Witsch, € 23,–

10.03.2026 | Jürgen Abel