Mia Oberländers »Saloon«
Familiensache

Ihr Stil ist unverwechselbar und zeichnet sich durch kräftige Linien und deutliche Konturen mit geschlossenen Farbflächen aus, sie ist aber auch eine sehr fantasievolle Erzählerin, der es gelingt, in nur wenigen Panels großartige Episoden zu gestalten. In »Saloon – Das ist Familiensache« greift sie Motive wie Steckbriefe, eine Wüstenlandschaft und Kakteen oder das Duell mit Revolvern auf, die man aus klassischen Westerngeschichten und -comics kennt, und ergänzt sie durch frei Erfundenes. Erzählt wird von einer Familienfeier, zu der eine ältere Dame einlädt.
Die Familie reist im Auto, mit dem Flugzeug und im Pendelzug »Prosecco Express« bis 15.40 Uhr an, als um 21.00 Uhr die anonym informierte »Streitschlichtung« mit dem Pferd eintrifft, kann sie nur noch feststellen, dass alle schlimmen Erwartungen übertroffen wurden: Frau Spar, die eigentlich nicht zur Familie gehört und auch nicht Frau Spar heißt, ist so platt, dass man sie mit einer Luftpumpe wieder aufblasen muss, sogar der Tisch war schon wütend, bevor sich auch nur irgendwer hingesetzt hatte. Bei der anschließenden Familientherapie geht es entsprechend turbulent zu, bis sich am Ende doch alle unbeschadet und halbwegs versöhnt auf den Heimweg machen.
Mia Oberländer, »Saloon«, Edition Moderne, € 35,–
31.01.2026 | Jürgen Abel


