Norbert Gstreins neuer Roman »Im Licht des neuen Tages«

Am Rand der großen Kriege

Norbert Gstrein, Foto: Isolde Ohlbaum
Norbert Gstrein, Foto: Isolde Ohlbaum
Er ist einer der großen Erzähler der Gegenwartsliteratur und wurde schon vielfach ausgezeichnet, zuletzt als erster deutschsprachiger Schriftsteller mit dem Siegfried Lenz Preis. Sein neuer Roman »Im ersten Licht« ist ein Meisterwerk, das in der Kritik einhellig als großer Antikriegsroman gefeiert wird.

Norbert Gstreins Texte seien »von einer gedanklichen Klarheit und stilistischen Brillanz geprägt, wie man sie in der gegenwärtigen deutschsprachigen Literatur nur sehr selten findet«, heißt es in der Presseerklärung, mit der die Siegfried Lenz Stiftung bekanntgab, dass Norbert Gstrein mit dem hoch renommierten Siegfried Lenz Preis ausgezeichnet wird. Für Aufsehen sorgte der 1961 in Tirol geborene Schriftsteller schon mit seinem 1988 geschriebenen Debüt »Einer«, zu seinen herausragenden Werken zählen auch »Die englischen Jahre« (1999), »Das Handwerk des Tötens« (2003) und »Als ich jung war« (2019). .

Ein großer Roman ist nun auch »Im ersten Licht« (Hanser), in dem er in mehreren Etappen die Geschichte des 1901 geborenen Adrian Reiter erzählt, dessen Leben bis weit in die Nachkriegszeit hinein wesentlich von seinen Begegnungen mit Kriegsveteranen geprägt wird. Er selbst wird von seinem Vater, der ein überzeugter Sozialist ist und das nahende Unheil ahnt, noch in seiner Jugend durch einen Axthieb außer Gefecht gesetzt und bleibt so eine Randfigur der großen Kriege, ein weitgehend passiver Mitläufer und Beobachter, der durch Heroisierung und Anpassung schuldig wird.

Der Roman entfaltet bis zur narrativen Volte, mit der am Ende das Erzählkonstrukt eingehegt wird, eine große Wucht und ist gerade heute, wo militärische Gewalt in Europa wieder alltägliche Realität ist, hochaktuell und gegenwärtig.

Norbert Gstrein, »Im ersten Licht«, Hanser, € 27,–

24.07.2026 | Jürgen Abel