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Siegfried Lenz Preis 2020 an Ljudmila Ulitzkaja

Die russische Schriftstellerin Ljudmila Ulitzkaja erhält den Siegfried Lenz Preis 2020. Der Preis wird alle zwei Jahre verliehen und ist mit 50.000 Euro dotiert. Die feierliche Preisübergabe findet am Freitag, den 19. März 2021 im Hamburger Rathaus statt. Überreicht wird der Preis vom Ersten Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg und der Siegfried Lenz Stiftung. Am Vorabend der Preisverleihung wird Ljudmila Ulitzkaja in der Freien Akademie der Künste zu Gast sein.

Die Siegfried Lenz Stiftung ehrt mit Ljudmila Ulitzkaja eine bedeutende Schriftstellerin Russlands. Ihre Romane und Erzählungen spiegeln die Tragödie des 20. Jahrhunderts, die Epoche der Gewaltherrschaft und des Genozids. Die vielfältigen und vielschichtigen Figuren ihrer erzählerischen Welt kämpfen ums Durchkommen, ums Überleben. Manche glauben an Gott, andere an sich selbst, und alle hoffen sie auf Menschlichkeit. Ulitzkaja entwickelt aus diesen Schicksalen ein grandioses Gewebe, das Gegenwart und Vergangenheit miteinander verbindet, das Religiöse mit dem Politischen, das Gesellschaftliche mit dem Persönlichen. Ihre weit gespannte Erzählkunst ist multiperspektivisch, sie bezieht reale und fiktive Dokumente ebenso ein wie die Biografie der Autorin. Denn Ulitzkaja, Jahrgang 1943 und in Moskau aufgewachsen, ist jüdischer Herkunft, und sie hat sich als Kritikerin der Putin-Regierung mehrfach unbeliebt gemacht.

Mit dem Siegfried Lenz Preis sollen internationale Schriftstellerinnen und Schriftsteller ausgezeichnet werden, die mit ihrem erzählerischen Werk Anerkennung erlangt haben und deren schöpferisches Wirken dem Geist von Siegfried Lenz nah ist.

Die bisherigen Preisträger des Siegfried Lenz Preises waren der Israeli Amos Oz, der Engländer Julian Barnes und der Amerikaner Richard Ford. Für Siegfried Lenz war nicht allein die anglophone Welt von Bedeutung, sondern auch die Welt seiner ostpreußischen Herkunft. Auch deshalb hat die Jury sich dafür entschieden, diesmal eine Autorin aus dem osteuropäischen Kulturraum auszuzeichnen.

Auf die Nachricht von der Zuerkennung des Siegfried Lenz Preises reagierte Ljudmila Ulitzkaja geehrt und schrieb: „Ich möchte der Jury des Siegfried Lenz Preises meinen tiefsten Dank ausdrücken für eine derart bedeutende Würdigung meines literarischen Werks. Ich bin zutiefst berührt und geehrt, Gewinnerin dieses Preises zu sein, der nach Siegfried Lenz benannt ist, einem Schriftsteller mit enormer Zivilcourage, höchster Ehrlichkeit und gründlichem Verständnis für eine untrennbare Verbindung zwischen unserer Vergangenheit und Gegenwart. Es ist eine große Freude und ein Privileg für mich, zu so angesehenen, weltbekannten Autoren wie Amos Oz, Julian Barnes und Richard Ford gezählt zu werden. Ich sende Ihnen meinen herzlichen und aufrichtigen Dank und hoffe, Sie alle ganz bald in Hamburg zu sehen.“

»Hörstoff Hamburg«

»Vielfalt statt Mainstream, unabhängig und inspierend«, das ist das Motto unter dem Hamburger Buchhandlungen seit einigen Monaten einen Podcast über die »Welt der Bücher« produzieren. Jeden Monat geben Buchhändler*innen einer anderen Buchhandlung Tipps für spannende Lektüren, Veranstaltungen und mehr.
hoerstoff-hamburg.podigee.io

Größter Preis der Stadtteilkultur online an Zinnschmelze verliehen

Der 17. Hamburger Stadtteilkulturpreis wurde in einer Onlinezeremonie an die Projektreihe »Unantastbar. Grundrechte – Greif zu!« der Zinnschmelze verliehen. Der Senator für Kultur und Medien Dr. Carsten Brosda überreichte den mit 12.000 Euro dotierten Preis stellvertretend für das Gremium der Preisgeber online an Sonja Engler von der Zinnschmelze.


»Flandziu« zum Thema »Was vergessen wurde«

Mit einem schönen Entree eröffnet die in Hamburg erscheinende Zeitschrift »Flandziu - Halbjahresblätter für Literatur der Moderne« ihre Ausgabe zum Thema »Was vergessen wurde«: Nora Gomringer erinnert sich in ihrem Liebes- und Trennungsgedicht »… die Pflanze zu fragen …« zum Auftakt an einen »Hibiskus« mit einer großen Aufgabe, Friedhelm Rathjen widmet sich unter dem Titel »Fagottn Müllodies« einer Schlagerstelle bei Arno Schmidt und Jürgen Egyptien bringt das Heftthema in dem Vierzeiler »Ohne Worte« auf den Punkt: »Ich traf auf einer Fete / ein Mädchen namens Lethe / Ich war auf sie versessen / - den Rest hab ich vergessen«. Doch auch sonst ist das etwa 250 Seiten umfassende »Flandziu« eine reiche Fundgrube an lesenswerten Texten.

Birigt Recki erklärt »Was eine Zeitlang vergessen werden sollte: Schönheit«, der Herausgeber Jürgen Klein empfiehlt in einer begeisterten Kritik von Paolo Rumiz´ »Via Appia« (Folio Verlag) sich »auf die Suche nach einer verlorenen Straße« zu begeben, Nancy Hünger lässt für den Dichter-Kollegen Heinz Czechowski »Die Testamente im Wind flattern« und Ulrich Fries erklärt »Wie Max Horkheimer und Theodor Adorno das erste Mal verabsäumten, Walter Benjamin das Leben zu retten – und seitdem aller immer noch tun, als wäre es nicht so gewesen«.

»Flandziu« kostet € 12,–, ist im Hamburger Shoebox House Verlag erschienen und im Buchhandel oder direkt beim Verlag erhältlich.
www.shoeboxhouse-verlag.de

Keine Veranstaltungen bis zum 30. April.

Zuerst waren nur die staatlichen Kultureinrichtungen, die Hamburger Theater und Konzerthäuser sowie Kampnagel, die Häuser der Museumsstiftungen, die Deichtorhallen, das Planetarium, die KZ-Gedenkstätte Neuengamme und die Hamburger Öffentlichen Bücherhallen betroffen, jetzt soll der gesamte Veranstaltungsbetrieb in Hamburg bis zum 30. April stillstehen. Es ist eine der Maßnahmen zur Minimierung von Ansteckungsmöglichkeiten mit dem Coronavirus, die von der Gesundheitsbehörde verfügt wurde.

Weitere Informationen hier: www.hamburg.de/bkm

Hamburger Sommerresidenz 2020

Behörde für Kultur und Medien schreibt Stipendien aus


Das idyllisch gelegene Künstlerhaus des mareverlags, die Villa Willemsen in Wentorf bei Hamburg, wird vom 16. August bis zum 12. September 2020 wieder zur Sommerresidenz für Kunst- und Literaturschaffende aus Hamburg.
Ausgeschrieben werden zwei vierwöchige Arbeitsaufenthalte für Schriftsteller*innen bzw. Literaturübersetzer*innen sowie ein Aufenthalt für Künstler*innen. Die Behörde für Kultur und Medien übernimmt die Miete der Residenzen. Zusätzlich gibt es eine Aufwandspauschale in Höhe von 1.000 Euro.
Ein weiteres Stipendium erhält ein Autor oder eine Autorin für einen Aufenthalt im Brecht-Haus im dänischen Svendborg vom 29. August bis zum 26. September.

Einsendeschluss für Bewerbungen ist der 4. Mai 2020.

Die vollständigen Ausschreibungsunterlagen gibt es hier:
Ausschreibung Sommerresidenz Villa Willemsen.pdf
Ausschreibung Aufenthaltsstipendium im Brecht-Haus.pdf

»urlässig«

Nach den Themen »Akute Langwaffen« und »Wertekind« gibt die dritte Ausgabe der von Jonis Hartmann, Nathalie Keigel, Sascha Preiß und Marie-Alice Schultz herausgegebenen Hamburger Literaturzeitschrift »tau« sich »urlässig«. Begleitende Künstlerin der aktuellen Ausgabe ist Hannah Sophie Dunkelmann, Textbeiträge gibt es u.a. von Martin Felder, Pedro Lenz, Andreas Münzner, Katha Schulte und Clara Werdin.
tau-texte.de

»Altona Magazin« zum Thema Literatur

Die aktuelle Ausgabe des mit »Reportagen aus Hamburgs Westen« halbjährlich erscheinenden »Altona Magazins« ist zum Thema Literatur erschienen. Den »Lebenspuren« so berühmter Schriftsteller wie Hans Henny Jahnn, Siegfried Lenz, Hubert Fichte, Heinrich Heine oder Detlev von Liliencron folgt Kai-Uwe Scholz; einen Streifzug durch die literarischen Schauplätze in Altona und den Elbvororten unternimmt Jürgen Abel; von der »Kulturlagune« Altonas, wie Peter Rühmkorf zu sagen pflegte, dem Fischer- und Lotsendörfchen Oevelgönne, erzählt Kai-Uwe Scholz, während Angela Kalenbach zum Hausbesuch in der Ausstellung »Laß leuchten!« bittet, die das Altonaer Museum noch bis zum Sommer dem Dichter Peter Rühmkorf widmet. In weiteren Beiträgen wird der Writers‘Room in der Stresemannstraße vorgestellt, die Buchhandlungen des Viertels, die Bücherhalle, und es gibt Porträts des Krimiautors Robert Brack und der Kinderbuchautorin Stefanie Taschinski. Illustrationen zu dem Magazin hat Kamilla Joergensen aus Aarhus beigesteuert, die »Artist in Residence« bei der Altonale im letzten Jahr war.
www.altonale.de/altona-magazin

»Zwei Menschen – Richard und Ida Dehmel in Hamburg«

Hermann Peter Piwitt
Der Schriftsteller Richard Dehmel und seine Frau Ida im Nietzsche-Archiv, 1905, Foto: Louis Held
Richard und Ida Dehmel waren zu Beginn des 20. Jahrhunderts das strahlende Künstlerpaar Hamburgs. Der berühmte, von vielen Komponisten vertonte Dichter und die schillernde, sich zunehmend für Frauenrechte einsetzende Muse waren jedoch mehr als die modernen, unkonventionellen Liebenden. Vom 16. Januar bis zum 22. März zeigt die Staats- und Universitätsbibliothek im Ausstellungsraum im Erdgeschoss anlässlich des 150. Geburtstags von Ida und des 100. Todestags von Richard Dehmel eine Ausstellung über das Künstlerpaar.

Richard und Ida Dehmel waren das Zentrum eines sie umgebenden, gezielt errichteten Gesamtkunstwerks: Von der präzise realisierten Buchgestaltung und Ausstattung von Dehmels Werken bis hin zur Bekleidung Idas nach Dehmels eigenen Entwürfen; von der kalligraphischen Dehmelschen Dichterhandschrift bis hin zum poetischen Dialog mit anderen Autoren der Zeit. In ihrem nicht minder zum Gesamtkunstwerk tendierenden Haus, dessen Verwirklichung im großen Ganzen wie im kleinen Detail sich dem Zusammenspiel namhafter Künstler verdankt, trafen sich die großen Zeitgenossen aus Literatur, Musik, Kunst und Kultur. Das Netzwerk der Dehmels offenbart sich noch heute in ihrem enormen Briefwechsel und in den Dokumenten des Dehmel-Archivs.
Anlässlich des 150. Geburtstags von Ida und des 100. Todestags von Richard Dehmel beleuchtet die Ausstellung das Paar in verschiedenen Konstellationen und Spiegelungen. Ausgehend von Richard Dehmels Roman in Romanzen Zwei Menschen zeigt sie nicht nur, wie Ida und Richard Dehmel sich ineinander spiegelten, sondern auch wie sie sich selbst und sich in anderen Personen reflektierten. In diesem Spiegel-Mosaik wird ein komplexes Kaleidoskop von Beziehungen und Querverbindungen sichtbar, das die »zwei Menschen« einbettet in den zeitgenössischen ästhetischen und kulturellen Kontext der Stadt.

Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg Carl von Ossietzky, Von-Melle-Park 3, Ausstellungsraum im Erdgeschoss, Öffnungszeiten: täglich 9.00 bis 24.00 Uhr. Der Eintritt ist frei.

»klub katarakt«

Vom 15. bis zum 18. Januar geht es auf Kampnagel beim Internationalen Festival für experimentelle Musik wieder durch alle Disziplinen und über alle Hör- und Sehgewohnheiten hinaus. Das Festival, das sich als multimediale Plattform für neueste experimentelle Musik versteht, präsentiert unter der künstlerischen Leitung von Jan Feddersen, Robert Engelbrecht und Ernst Bechert auch in diesem Jahr wieder ein starkes Programm.
www.kampnagel.de

»Um alles in der Welt - Lessingtage«

Die »Lessingtage« am Thalia Theater präsentieren vom 19. Januar bis zum 9. Februar 2020 wieder internationale Gastspiele, Vorträge, Konzerte und Performances, die ganz im Geist des Aufklärers Gotthold Ephraim Lessing zu kontroversen Debatten einladen und gleichzeitig für Toleranz und eine offene Gesellschaft plädieren. In diesem Jahr wird es auch um »die Herausforderungen der klima- und kriegsbedingten Migrationsbewegungen gehen«, und die Möglichkeit zu einem regen interkulturellen Austausch geben.
www.thalia-theater.de

»Flandziu« zum Thema »Offene Gesellschaft und ihre Feinde«

Die neue Ausgabe von »Flandziu«, der von Jürgen Klein in Hamburg herausgegebenen »Halbjahresblätter für Literatur und Moderne«, führt mitten hinein in die zentrale gesellschaftspolitische Debatte der Gegenwart: Es geht um Populismus, die neue Rechte und den fundamentalen Angriff auf die liberale Gesellschaft und ihre Errungenschaften. Gregor Gysi ist mit seinem Vortrag »Triumph des Populismus« ebenso unter den Autoren wie Wolfgang Kubicki, der sich in einer Bundestagsrede vom 22. Februar 2018 zu einem AFD-Antrag äußert, in dem der Bundesregierung unterstellt wird »den Fall Yücel sonderbehandelt« zu haben. Und von Margarete Stowkowski darf man noch einmal nachlesen, wie es zur Absage ihrer Lesung Ende 2018 in der Buchhandlung Lehmkuhl in München kam. Ergänzt werden gesellschaftspolitischen Beiträge um Gedichte von u.a. Ingeborg Bachmann und Rüdiger Görner, im »Kaffeesatz« von Wolfgang Wicht hat sich 2018 ganz deutlich »der Name Karl Marx abgezeichnet«, Nancy Hünger ruft uns »Vorsicht, Sippenhaft!« zu und Raimar Zons liefert »Bei- und Nachträge zum Lesen«.
»Flandziu« kostet € 12,–, ist im Hamburger Shoebox House Verlag erschienen und im Buchhandel oder direkt beim Verlag erhältlich.
shoeboxhouse-verlag.de

»Laß leuchten!«

Eine Ausstellung im Altonaer Museum stellt anlässlich seines 90. Geburtstags das Leben und Werk von Peter Rühmkorf (1929–2008) vor. Der vielfach preisgekrönte Schriftsteller, der in Övelgönne lebte, war nicht nur als Lyriker höchst erfolgreich, sondern auch ein Poeta Doctus, dessen Bezugsgrößen bis zu Walther von der Vogelweide und Klopstock zurückreichten, und mit seinem Erinnerungsbuch »Die Jahre, die ihr kennt« erreichte er eine breite Leserschaft in Deutschland. Die Ausstellung inszeniert zehn Gedichte Rühmkorfs in Großprojektionen, stellt eine Auswahl seiner Jazz- und Lyrikprogramme in Film-Aufnahmen vor, erläutert die Werkphasen des Dichters und widmet sich wichtigen biografischen Ereignissen und Orten. Begleitend findet ein vielseitiges Veranstaltungsprogramm mit öffentlichen Führungen (01, 08., 15., 22. und 29.09.) und Lesungen statt. Eine Hommage an Peter Rühmkorf präsentiert zum Harbour Front Literaturfestival im Altonaer Museum der Lyriker Jan Wagner am 21. September. Die Ausstellung wird bis 20. Juli 2020 gezeigt.
shmh.de