Dienstag, 06.10.2009

Buchpremiere
„Der Glückliche“
Für ihr Buch „Requiem für Jakob“ hat die Hamburger Schriftstellerin und Buchkünstlerin Roswitha Quadflieg, wie sie von sich sagt, ihr bisheriges Leben auf den Kopf gestellt, zahllose Zeugen befragt, 2000 Seiten Gerichtsakten studiert – und sie ist dabei zufällig auch auf einen gewissen Dr. Leopold Wagner aufmerksam geworden, dessen Leben nun in ihrem neuen Buch „Der Glückliche“ verhandelt wird. Wagner war von 1921 bis 1933 Stadtarzt in Speyer. 1938 wurde er wegen Beleidigung Hitlers verhaftet: „Was dann, etwa ein halbes Jahr später geschah, lag ja jenseits jeden Vorstellungsvermögens. Am 29. September verabschiedete sich mein Mann, Dr. Leopold Wagner, pöbelnd und randalierend aus der Zivilisation. Leider, wie sich dann ja herausstellte, für die Dauer seines gesamten weiteren Lebens.“ Ein ärztliches Gutachten ersparte Wagner das KZ, stattdessen wurde er in die Heil- und Pflegeanstalt Lohr eingewiesen. Dort blieb er 21 Jahre lang. Drei Tage nach seiner Entlassung im Sommer 1959, inzwischen im 72. Lebensjahr, stürzte er auf einer Wanderung in den Tiroler Bergen – die er mit seiner jüngeren Schwester unternahm – in den Tod. Soweit die Fakten. Roswitha Quadflieg lässt in ihrem Buch zehn Personen aus Wagners näherem Umfeld zu Wort kommen: sieben Familienmitglieder, einen Mitinsassen, einen Arzt und einen Rechtsanwalt. Sie rollen Wagners Leben wie in einem Zeugenstand auf, wobei jede Person auf ihrem eigenen Standpunkt beharrt und die einzig richtige Sichtweise für sich reklamiert. Für die Leser bleibt es bis zum Ende spannend: Wie haben sich die Ereignisse denn nun tatsächlich abgespielt? Schließlich verplappert sich der eine oder andere und die Masken fallen: Motive entpuppen sich als zweifelhaft, selbstlose Intentionen als Lüge.
Im Literaturhaus stellt Roswitha Quadflieg ihren Roman „Der Glückliche“ vor. Moderation: Wend Kässens.
Veranstalter: Literaturhaus. Schwanenwik 38, 20.00 Uhr. Eintritt: 8.-/6.- Euro.
Krimilesung
„Das siebte Werk“
Maiken Nielsen liest aus ihrem neuen Kriminalroman, der im Jahr 1892 in Hamburg spielt. Musikalische Begleitung: Martha Münder, Klavier und Gesang. Passend zum Thema des Buches präsentieren zudem die zwei Designerinnen Connyie Rethmann und Rachel Kopp die Kollektion „Unsagbar tragbar“ und „Schutz und Schmutz“.
Veranstalter: Hamburger Autorenvereinigung. Ort: Imperial Theater, Reeperbahn 5, 19.30 Uhr. Ein-tritt: 8.- Euro.
Juli Zeh und die Rockband Slut
Vision einer Diktatur
Juli Zeh liest aus ihrem im Frühjahr neu erschienenen Roman „Corpus Delicti“, in dem sie die Vision eines Staates entwirft, der in seiner Fürsorge für seine Bürger jedes Maß verloren hat. Angesiedelt ist die Geschichte im Jahr 2057. Zur höchsten Bürgerpflicht ist Gesundheit geworden. Der Staat schreibt ein festes Sportpensum ebenso vor wie die Abgabe von Schlaf- und Ernährungsberichten. In dieser Gesundheitsdiktatur wird einer jungen Frau vor einem Schwurgericht der Prozess gemacht. Verantworten muss sie sich für ihr aus staatlicher Sicht völlig unvernünftiges Verhalten, dafür, dass sie denkt, liebt, leidet und dabei ihre körperlichen Ressourcen strapaziert. Juli Zeh hat in „Corpus Delicti“ zwar das Zukunftsszenario eines radikalen Vorsorge- und Entmündigungsstaates entworfen, doch ihre Kritik zielt ganz ironiefrei auf ein Schlüsselthema unserer Zeit: Prävention ist auch heute schon das kardinale Stichwort, das es dem Staat erlaubt, seine Bürger vor den Gefahren des Lebens zu schützen, um gleichsam mit diesem Argument im Gepäck individuelle Rechte einzuschränken. In der Literaturkritik wurde „Corpus Delicti“ folglich als „hoch spannende Dystopie unseres kollabierenden demokrati-schen Wohlfahrtsstaates“ (SZ) gefeiert, aber auch „als simple Diagnose des Heute aus der angeblichen Distanz von morgen“ (Der Standard) verworfen.
Juli Zeh stellt ihren Roman gemeinsam mit der Rockband Slut vor.
Veranstalter: Grünspan. Große Freiheit 58, 19.00 Uhr.
Lesung
„Die Langnasen“
Yu-Chien Kuan und Petra Häring-Kuan lesen aus ihrem neuen Buch.
Veranstalter: Buchhandlung Seitenweise. Hammer Steindamm 119, 19.30 Uhr. Eintritt: 5.- Euro. Um Anmeldung unter Tel.: 040 / 201 203 oder per E-Mail an die Buchhandlung Seitenweise wird gebeten.
Szenische Lesung
Tischgespräche über Mollenhauer“
Die Schauspieler Otgard Ermoli, Ljuba Markova, Hans-Jürgen Knappe und Philipp Odermark präsentieren den neuen Roman von E. H. Beilcke über einen Schiffselektriker und Opernliebhaber, der verdächtigt wird, eine Familie bedroht und belästigt zu haben, vor Gericht kommt und frei gesprochen wird. Der Jurastudent Stefan beschließt, das vermeintliche Fehlurteil auf seine Weise zu korrigieren.
Veranstalter: Hamburger Kammerspiele. Logensaal, Hartungstr. 9-11, 19.30 Uhr. Eintritt: 18.-/15.- Euro.
Lesung
„Rostock, Hamburg und Shanghai“
Der ehemalige Erste Bürgermeister, langjährige Bürgerschaftsabgeordnete und Rechtsanwalt Dr. Peter Schulz präsentiert seine Autobiografie.
Veranstalter: Boysen + Mauke im Johanniscontor. Große Johannisstr. 19, 19.00 Uhr.
Lesereihe
NDR-Hörspiel im Planetarium
Auf dem Programm der Reihe steht die Hörspielfassung von Moritz Rinkes Drama „Die Nibelungen“, das der NDR mit großer Besetzung realisiert hat. Rinke folgt in seinem Drama den wesentlichen Motiven dieser bedeutendsten Heldendichtung des Mittelalters und löst sie gleichzeitig aus ihrer Zeit.
Veranstalter: Planetarium. Hindenburgstr. 1 b, 19.30 Uhr. Eintritt: 8.-/5.- Euro.
Poetry Slam
Poetry-Slam
Unter dem Motto „Loser“ präsentieren Autorinnen und Autoren in höchstens 5 Minuten Lesezeit einen eigenen Text. Der Publikumssieger darf sich über einen Luxus-Frühstücksgutschein für zwei Personen freuen. Auf die Bühne können allerdings nur 10 Autoren. Wer lesen möchte, sollte früh da sein oder sich anmelden. Mit dabei sind auch die Jungs und das Deern von der Lesebühne „Längs“.
Veranstalter: Mathilde – Literatur und Café. Bogenstr. 5, 20.15 Uhr. Eintritt: 4.- Euro. (Für Vorlesende frei.)








