Dienstag 17.09.2019


Lesung mit Ocean Vuong

»Auf Erden sind wir kurz grandios«

Ocean Vuong
Ocean Vuong, Foto: Tom Hines
Es ist selten, dass einem Debüt so viele prominente Stimmen mit Empfehlungen vorauseilen wie »Auf Erden sind wir kurz grandios« des 1988 in Saigon geborenen Ocean Vuong, der im Alter von zwei Jahren nach Amerika kam, wo er heute lebt. »So leicht, so fein, so klug«, schwärmt Saša Stanišić über den Roman, in dem ein Sohn sich in einem an seine vietnamesische Mutter wendet. Sie ist Analphabetin, kann kaum Englisch und arbeitet in einem Nagelstudio.

Als Lyriker wurde Ocean Vuong mehrfach ausgezeichnet, 2017 mit dem T.S. Eliot Prize, und dieser Ausgangspunkt in der Poesie ist ein Glücksfall für seine Prosa. Ocean Vuong kombiniert die Verknappung und Konzentration des poetischen Sprechens mit der Weitläufigkeit von Prosa und einer durchgängigen intellektuellen Selbstvergewisserung zu Fragen der Identität, Sexualität, Gewalt und Sprache. Das gibt seinem Roman eine besondere innere Spannung. Und es ist kontrastiert diese Geschichte über einen schmächtigen, queeren Außenseiter, der bei einer schizophrenen Großmutter und einer prügelnden Mutter aufgewachsen ist, mit einer großen Zartheit, Sensibilität und Weltgewandtheit. Dass all das auch in der Übersetzung erlebbar bleibt, ist Anne-Kristin Mittag zu verdanken, die das Buch kongenial ins Deutsche gebracht hat.

Literaturhaus, Schwanenwik 38, 19.30 Uhr, € 12,–/8,–