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Freitag, 22.11.2019


Lesung mit Matthias Brandt

Als wäre ein riesiges »Aber« vom Himmel gefallen

Whitney Scharer
Matthias Brandt, Foto: Arne Lesmann
In seinem vielgelobten Debüt »Raumpatrouille« erzählt Matthias Brandt in kurzen, autobiographischen Geschichten von einer Kindheit in den siebziger Jahren. Der Junge, um dessen Lebenshorizont die Geschichten kreisen, will mal Torwart werden, und falls das nicht klappt, vielleicht Briefträger. Doch sein Vater ist der Politiker Willy Brandt und das beschert auch seinem Sohn einen permanenten Ausnahmezustand, obwohl der sich nichts mehr wünscht als Normalität. In »Blackbird«, seinem in diesem Herbst neu erschienenen Roman, ist die Welt der siebziger Jahre nun die Bühne für ein trauriges, tief bewegendes und immer wieder auch sehr komisches Drama um zwei jugendliche Helden, die ebenfalls verzweifelt um Normalität ringen. Und radikal daran scheitern.

Wenn man mitten in der Pubertät ist, dann passieren sowieso schon Dinge, die ziemlich irre sind. Bei Motte, der eigentlich Morten Schumacher heißt, kommt zu all dem anderen jedoch etwas sehr viel Schwereres, es ist so, als wäre ein riesiges »Aber« vom Himmel gefallen, durch das nichts mehr so ist wie zuvor. Es beginnt mit einem harmlosen Anruf vom Vater seines besten Freundes Manfred Schnellstieg, den alle Bogi nennen. Eben hat er sich noch mit ihm »übers Fürze anzünden« unterhalten, einem Spezialgebiet von Bogi, und sich von ihm erklären lassen, dass der »Amselfelder«, also der »Blackbirdfielder«, den sie sich für ihre Turnierfahrt am Wochenende gekauft hatten, »besonders bekömmlich« ist und trotzdem total reinhaut. Jetzt erfährt er, dass Bogi im Krankenhaus liegt. Die Diagnose »Non-Hodgkin-Lymphon« hört sich zwar so an, als ob es keine Krankheit sei, ist in Wahrheit aber niederschmetternd. »Blackbird« erzählt davon, wie Motte sich daraufhin zurückzieht. Er lässt das Unerträgliche einfach nicht an sich heran, besucht Bogi nur selten im Krankenhaus, spricht nicht über dessen Krankheit und lenkt sich mit all dem ab, was angesichts der existenziellen Bedrohung, der sein Freund ausgesetzt ist, nur nebensächlich sein kann. Am Ende findet er mit all seinen Gefühlsschwankungen, von denen Matthias Brandt mit großem Gespür für den richtigen Ton und Rhythmus erzählt, dann doch einen Weg zurück in die Freundschaft mit Bogi. Auch wenn er dafür ein anderer werden muss.

Kampnagel, K6, Jarrestr. 20, 20.00 Uhr, € 25,–


Krimi-Lesung

»Schnaps, das war sein letztes Wort«

»Lange Kriminacht« mit Carsten Sebastian Henn, Thomas Kastura und Sabine Trinkaus.

Speicherstadtmuseum, Am Sandtorkai 36, 19.30 Uhr, € 16,–, Reservierung: Tel. 040-321191 oder info@speicherststadtmuseum.de