Heute, 05.09.2026


Lange Nacht der Literatur

Drei Anfänge und ein flirrendes Ende

Miriam Carbe, Foto: Wolfgang Stahr
An keinem anderen Tag des Jahres finden in Hamburg so viele Literaturveranstaltungen statt: Mit rund 40 Lesungen in Buchhandlungen, den Bücherhallen und anderen Literaturorten eröffnet die »Lange Nacht der Literatur« die herbstliche Lesesaison. Für einen Ausflug in das Programm geht es hier in drei Stationen um die Eröffnung von neuen Romanen und um ein flirrendes Ende.

Es gibt unzählige Möglichkeiten, Worte und Sätze, mit denen ein Kapitel aufgeschlagen, eine Geschichte begonnen werden kann. Und doch müssen schon mit dem ersten Satz das Thema und der Klang angestimmt werden, es gilt, die Neugierde zu wecken und in eine eigene Welt hineinzuführen. Meisterhaft gelingt das Miriam Carbe (18.00 Uhr, Buchhandlung Christiansen) in ihrem Roman »Unerwünschte Töchter« (Hanser), der eine große Familiengeschichte erzählt, die über vier Frauengenerationen reicht. Mit dem ersten Satz wird ein Gegenstand eingeführt, der sie alle durch die Jahre begleitet: »Meine Urgroßmutter Margarethe ließ 1912 in Dresden bei einem Schreiner einen Schrank anfertigen.« Es ist ein Bücherschrank aus Kirschholz, »dunkel geölt«, mit »Kranzgesims« und zwei Flügeltüren, der obere Teil verglast. Er wurde an Marianne und schließlich an Monika weitergegeben, bis er im Arbeitszimmer von Miriam einen Platz fand, der Urenkelin von Margarethe. In einer kurzen Episode erzählt Miriam Carbe zum Auftakt ihres Romans, wie der Schrank durch die Jahrzehnte genutzt wurde und was sie selbst darin unterbrachte. Es sind die Tagebücher und Erinnerungsskizzen, die alle Frauen in ihrer Familie hinterlassen haben, die ältesten stammen aus dem Jahr 1908. Dieses Vermächtnis bildet die Grundlage des Romans und ist der Ausgangspunkt für die weiteren Erbstücke, die in diesem mitreißenden Familienroman weitergegeben werden, von der gemeinsamen Erfahrung, unerwünschte Töchter zu sein über gemeinsame Laster und Werte bis zum Schreiben.

Ein grandioser Erzähler ist auch der Booker-Preisträger Douglas Stuart (18.30 Uhr, Literaturhaus), der mit »Shuggie Bain« (2020) einen gefeierten Weltbestseller schrieb. Sein neuer Roman »John of John« (Hanser) ist im Frühjahr in einer deutschen Übersetzung von Sophie Zeitz erschienen, er spielt in den 1990er Jahren an einem wilden, wenig einladenden Ort, und das signalisiert er schon zum Auftakt: »Ihre Füße waren so lila wie Kalbsleber.« Mit diesem Eröffnungssatz, der die Füße seiner Großmutter Ella beschreibt und sich später als Lüge erweist, über die in dieser Familie ebenso geschwiegen wird wie über so vieles andere, gelingt es dem Tweed-Weber John MacLeod seinen Sohn John-Calum, den alle nur Cal nennen, aus Edinburgh wieder zurück auf die Äußeren Hebriden im Nordwesten Schottlands zu locken. Es dauert einen Moment, bis man bei der Lektüre begreift, warum Cal sich bei der Überfahrt auf die Isle of Harris eine Ecstasy-Pille einwirft, um weicher zu landen. Er ist 22 Jahre alt, hat eine Kunsthochschule besucht, aber »danach weder eine Arbeit noch eine Frau« gefunden, wie sein Vater anmerkt. Wie soll er sich mit seinen grell gefärbten Haaren und seiner Sehnsucht nach einem Mann als Partner in der streng calvinistischen Inselgemeinschaft, in der er groß geworden ist, jemals wieder zu Hause fühlen, Anerkennung und Geborgenheit finden?

»Wenn ich ehrlich bin, wäre ich ihr lieber niemals begegnet.« Das sagt die Erzählerin über »Michaela Kohlaas« (Suhrkamp), die titelgebende Hauptfigur im neuen Roman von Heike Geißler (18.30 Uhr, Buchladen in der Osterstraße). In einer formal brillanten Umsetzung kapert die in Leipzig lebende Schriftstellerin einen literarischen Großraum der Literatur und stellt dem brandschatzenden Rebellen aus Heinrich von Kleists berühmter Novelle eine Nachfahrin im 21. Jahrhundert an die Seite, die ebenfalls von ohnmächtiger Wut angetrieben wird. Ein einschneidendes Ereignis braucht es bei ihr jedoch nicht, um plötzlich in ein Leben neben der Spur auszusteigen. Die Anlässe sind »ganz selbstverständlich da«, sehr grundsätzlicher Natur und dem Horizont einer »beispielhaften Frau« in der Gesellschaft eingepreist, heißt es in dem Roman. Michaela Kohlhaas wirft alle Konventionen über Bord und beginnt eine sanfte Rebellion durch Gestank, radikale Verweigerung und unverschämte Offenheit. Ihre Nähe ist nicht auszuhalten, weil sie sich kaum noch wäscht. All das klingt in diesem »Buch der Stunde« (Denis Scheck) schon im ersten Satz an.

Ein sehr lesenswerter Roman aus der Hamburger Literatur ist schließlich auch »Einstein im Bade« von Daniel Mellem (19.00 Uhr, Schweitzer Fachinformationen – Buchhandlung im JohannisContor). Der promovierte Physiker lädt in das »Hotel Rastender Kranich« im beschaulichen Bad Nauheim, wo es im September 1920 bei einer Tagung der Gesellschaft Deutscher Naturforscher zu einer Debatte kommt, die in die Geschichte eingegangen ist: Albert Einstein verteidigte seine Allgemeine Relativitätstheorie gegen Angriffe des Physik-Nobelpreisträgers Philipp Lenard. In dem sehr unterhaltenden Roman nimmt sich Hoteldirektor Kleeberger vor, den Streit zwischen den Physikern zu schlichten – und verliert darüber nach und nach die Kontrolle über sein ehrwürdiges Haus. Wie die Sache für den »Rastenden Kranich« ausgeht, lässt der Roman in einem flirrenden Ende offen. Der Hoteldirektor kommt bei einem Spaziergang an einem Herbstmorgen zu der Einsicht, dass »unsere bewegte Gegenwart« unbeirrt voraneilt, so wie »die Vogelschwärme, die zu dieser Jahreszeit in wärmere Gefilde ziehen«, aber es für ihn vielleicht besser ist, einen Schritt zurückzutreten.

Das war nur ein kleiner Auszug aus dem Programm der Langen Nacht der Literatur. Zum Abschluss werden im Literaturhaus um 21.30 Uhr von der Behörde für Kultur und Medien die Hamburger Buchhandlungspreise 2026 vergeben – und danach wird gefeiert.


Alle Veranstaltungen unter langenachtderliteratur.de

Herbstlese Blankenese

Blankeneser Lyriksommer

Natasha Dniprovska, Amelie Fechner, Olga Martynova und Wolfgang Schiffer lesen Gedichte.

Herbstlese Blankenese im Römischen Garten, 11.00 Uhr, Eintritt frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich



Herbstlese Blankenese

»Stunden wie Tage«

Shelly Kupferberg liest aus ihrem neuen Roman. Moderation: Florian Wernecke

Herbstlese Blankenese im Neuen Markthaus Blankenese, Blankeneser Bahnhofstraße 31A, 14.00 Uhr, 20,–/10,–


Lesung

»Fake Gucci-Jogginghose auf der Lesebühne«

Dinçer Güçyeter unternimmt eine Reise in sein Ich und blickt demütig und kritisch auf den Literaturbetrieb und seinen eigenen Weg. Moderation: Pascal Mathéus

Herbstlese Blankenese Gemeindehaus Blankenese, Mühlenberger Weg 64a, 14.00 Uhr, 20,–/10,–


Herbstlese Blankenese

»Mein privtes Glück«

Michael Köhlmeier liest aus seinem neuen Buch. Moderation: Rainer Moritz.

Herbstlese Blankenese in der Blankeneser Kirche am Markt, Mühlenberger Weg 66 14.00 Uhr, 20,–/10,–


Lesung

»Iris«

Laura Freudenthaler liest aus ihrem neuen Roman. Moderation: Laura-Lena Förster

Herbstlese Blankenese im Neuen Markthaus Blankenese, Blankeneser Bahnhofstraße 31A, 17.00 Uhr, 20,–/10,–


Herbstlese Blankenese

»Die Welt in ihren Händen«

Olivier Guez liest aus seinem Buch über Getrude Bell. Die Archäologin, Abenteurerin, Agentin des Britischen Empire war mit Lawrence von Arabien seelenverwandt, eine enge Vertraute von Winston Churchill und die einzige Frau unter den mächtigen Männern Mesopotamiens Moderation: Rainer Moritz.

Herbstlese Blankenese im Gemeindehaus Blankenese, Mühlenberger Weg 64a, 17.00 Uhr, 20,–/10,–


Lesung

»Unheilvolle Allianz: Trump und Amerikas Gotteskrieger«

Annika Brockschmidt und Hamed Abdel-Samad stellen ihre Bücher vor. Annika Brockschmidt beschäftigt sich seit Jahren mit den Bestrebungen christlicher Fundamentalisten in den USA. Ihr Buch »Amerikas Gotteskrieger« erschien 2021. Hamed Abdel-Samad hat sich in letzter Zeit vor allem als Islamkritiker profiliert. In seinem neuen Buch »With God on Their Side«, Oktober 2026 weitet er die Perspektive auf die USA und Russland aus. Moderation: Daniel Kaiser.

Herbstlese Blankenese in der Blankeneser Kirche am Markt, Mühlenberger Weg 66, 17.00 Uhr, 20,–/10,–



Herbstlese Blankenese

»Die Verlorenen von Santa Chionia«

Die US-amerikanische Schriftstellerin Juliet Grames liest aus ihrem neuen Roman. Moderation: James Dowthwaite.

Herbstlese Blankenese im Neuen Markthaus Blankenese, Blankeneser Bahnhofstraße 31A, 20.00 Uhr, 20,–/10,–


Herbstlese Blankenese

»Das Zeitgeisterhaus«

Madame Nielsen liest aus ihrem Roman. Moderation: Florian Wenicke.

Die dänische Schriftstellerin und Performancekünstlerin Madame Nielsen (05.09., Gemeindehaus Blankenese) beschäftigt sich in ihrem autofiktionalen Roman »Das Zeitgeisterhaus. Eine deutsche Geschichte« (Alexander Verlag) mit einem überschaubaren, wenn auch immer wieder raumgreifenden Phänomen unserer Zeit. Ihre Geschichte geht lose auf einen realen Eklat an den Münchner Kammerspielen zurück, an denen die Künstlerin zu Gast war, um ihre Show auf die Bühne zu bringen. Was als vielversprechende Zusammenarbeit begann, entwickelte sich schnell zum Kulturkonflikt. Die prominente Künstlerin tut genau das, was man angeblich nicht tun darf, sie provoziert und verstört, und prompt meldet sich der gekränkte Zeitgeist zu Wort. Am Ende muss sie das Haus verlassen. Dennoch versucht die »Täterin« zu verstehen, wie es so weit kommen konnte, und was in diesem Land und in dieser Zeit eigentlich vor sich geht. Die Kontroverse, die sie in ihrem Roman durchspielt, ist beispielhaft, und wer könnte das besser als Madame Nielsen, bei der Provokation seit jeher als künstlerisches Mittel dient, um gesellschaftliche Normen aufzubrechen und zu hinterfragen.

Herbstlese Blankenese im Gemeindehaus Blankenese, Mühlenberger Weg 64a, 20.00 Uhr, 20,–/10,–


Herbstlese Blankenese

»Marmor Quecksilber Nebel«

Judith Schalansky liest aus ihrem neuen Buch. Moderation: Hella Kemper

Es geht um alles, auch wenn auf dem Umschlag nur »Marmor, Quecksilber, Nebel« (Suhrkamp) steht. Mit dem Untertitel »Woraus die Welt gemacht ist« gibt Judith Schalansky in ihrem neuen Buch dann die Fallhöhe für ihre Betrachtungen vor. In drei auf ihren 2025 gehaltenen Frankfurter Poetikvorlesungen basierenden Stationen erkundet die aktuelle Lessing-Preisträgerin der Stadt Hamburg in poetologischen Expeditionen zwischen Erzählung und Essay, Literatur und Theorie nicht weniger als die materiellen Bedingungen des Lebens im Kontext ihres Schreibens. Dabei geht es im besten Sinn tatsächlich um alles: den Nährwert von Marmorschweinen, das Gewicht der Erde, den Belegungsplan der Arche Noah, die Wahrhaftigkeit mexikanischen Wrestlings oder das Brockengespenst. Helmut Böttiger kommt in einer begeisterten Kritik für den Deutschlandfunk zu dem Schluss, dass Schalansky »sich damit nicht nur auf der Höhe der Zeit bewegt, sondern diese Höhe auf eine eigene schwindelerregende Weise definiert«.

Herbstlese Blankenese in der Blankeneser Kirche am Markt, Mühlenberger Weg 66, 20.00 Uhr, 20,–/10,–


Openair-Lesung

»Abschied vom Phallozän«

Gertraud Klemm stellt zum 25-jährigen Jubiläums des »Gartens der Frauen« ihre »Streitschrift« über das »phallokratische Weltbild« vor, das gegenwärtig alle gesellschaftlichen Bereiche prägt. Im Blick auf matriarchale Gesellschaften aus Vergangenheit und Gegenwart plädiert die österreichische Biologin und Schriftstellerin für eine Erneuerung des Feminismus, der das gesellschaftliche Zusammenleben anders denkt.

Verein Garten der Frauen und Friedhof Ohlsdorf in der Cordes-Halle im Forum des Friedhofs Ohlsdorf, Fuhlsbüttler Str. 756, 15.00 Uhr, Eintritt frei


Saisoneröffnung

22. Theaternacht Hamburg

38 Bühnen öffnen am 5. September für eine Nacht lang ihre Türen und Vorhänge und laden zu einer Entdeckungsreise durch die vielfältige Theaterlandschaft der Stadt ein. Mit dabei sind die großen wie die kleinen, die bekannten wie die unbekannten, die staatlichen und die privaten, die subventionierten und die nicht geförderten Bühnen der Hansestadt, deren Theaterlandschaft als die dynamischste und facettenreichste in Deutschland gilt. Über 200 Programmpunkte geben zum Saisonauftakt Einblicke in aktuelle Produktionen, erlauben einen Blick hinter die Kulissen, laden zu Konzerten, Lesungen zu »Requisitenspaß, Theatermalereien & Kostümallerlei«. Los geht es schon um 15.00 Uhr mit dem Familienprogramm, ab 19.00 Uhr startet dann das Abendprogramm mit Vorstellungen bis nach Mitternacht. Und dann darf bei der Aftershow-Party im Thalia Theater bis in die Morgenstunden gefeiert werden

Tickets für die Theaternacht gibt es im Vorverkauf für € 20,–, Tickets für das Familienprogramm (15.00 bis 19.00 Uhr) gibt es für 12,– Euro. Im Ticketpreis ist der Zugang zu den teilnehmenden Theatern sowie die Nutzung der Theaternacht-Shuttlebusse enthalten. Der Eintritt zur Party ist im regulären Theaternacht-Ticket enthalten. Wer ausschließlich zur Aftershowparty möchte, kann ein separates Ticket für 10 Euro erwerben.


Poetry Slam

Diary Slam

»Seelenpein« und »Hochgefühle«, »Liebesschwüre« und »Selbstmordgedanken« von »wildfremden Menschen«, all das und noch viel mehr steht auf dem Programm des Tagebuch-Slams.

Goldbekhaus, Moorfuhrtweg 9, 19.30 Uhr, € 12,–


Buchdruckwerkstatt

»Satz und Druck«

In der Buchdruckwerkstatt des Museums der Arbeit lüften Mitarbeiter des Museums oder ehemalige Setzer und Drucker die Geheimnisse der »Schwarzen Kunst«.

Museum der Arbeit, Wiesendamm 3, 14.00 bis 15.00 Uhr, Museumseintritt, https://shmh.de


Aktuelle Buchempfehlungen


28.08.2026 | Literatur in Hamburg
Jarka Kubsovas neuer Roman »Im Licht des neuen Tages«

Als wäre man in einer anderen Welt

Jarka Kubsova, Foto: Gaby Gerster
In ihrem vielgelobten Bestseller »Marschlande« (S. Fischer) verknüpft Jarka Kubsova den Selbstfindungsprozess einer Frau in der Gegenwart mit der jahrhundertealten Überlieferung über ein Frauenleben. Die Neubewertung der historischen Figur wird dabei zur Voraussetzung für ein selbstbestimmteres Leben in der Gegenwart. Meisterhaft setzt sie dieses Prinzip weiblicher Geschichtsschreibung auch in ihrem neuen Roman »Im Licht des neuen Tages« (S. Fischer) um, der zu einer bewegenden Reise tief in die Wälder Böhmens einlädt – und in ihre eigene Geschichte.


24.07.2026 | Literatur in Hamburg
Norbert Gstreins neuer Roman »Im Licht des neuen Tages«

Am Rand der großen Kriege

Norbert Gstrein, Foto: Isolde Ohlbaum
Norbert Gstrein, Foto: Isolde Ohlbaum
Er ist einer der großen Erzähler der Gegenwartsliteratur und wurde schon vielfach ausgezeichnet, zuletzt als erster deutschsprachiger Schriftsteller mit dem Siegfried Lenz Preis. Sein neuer Roman »Im ersten Licht« ist ein Meisterwerk, das in der Kritik einhellig als großer Antikriegsroman gefeiert wird.


28.05.2026 | Literatur in Hamburg
Dana Grigorceas neuer Roman »Tanzende Frau, blauer Hahn«

Variationen der Liebe

Dana Grigorcea, Foto: Gabi Hirit
Die schweizerisch-rumänische Schriftstellerin Dana Grigorcea, die 1979 in Bukarest geboren wurde und seit vielen Jahren mit ihrer Familie in Zürich lebt, ist eine so bezaubernde wie vielseitige und intelligente Erzählerin. In ihrem neuen Roman lädt sie für ein Kaleidoskop über die Liebe in die schwebende Sommeratmosphäre einer Kleinstadt in den rumänischen Karpaten. »Tanzende Frau, blauer Hahn« (Penguin) ist aber auch wieder eines dieser Kunststücke von Dana Grigorcea, die mit dem Möglichkeitsraum von Fiktion und Realität spielen.


28.05.2026 | Literatur in Hamburg
Heike Geisslers neuer Roman »Michaela Kohlhaas«

Eine beispielhafte Frau

Heike Geissler, Foto: Heike Steinweg
In ihrem Essayband »Verzweiflungen« zoomt Heike Geißler ganz nah an die Abgründe und Bedrängnisse der Gegenwart heran und wurde dafür mit dem Bayerischen Buchpreis 2025 ausgezeichnet. Für ihren neu erschienenen Roman hat die in Leipzig lebende Schriftstellerin nun einen literarischen Großraum gekapert, der tief in der deutschen Kultur verwurzelt ist: den Klassiker »Michael Kohlhaas«. In einer formal brillanten Umsetzung erzählt sie in »Michaela Kohlhaas« (Suhrkamp) von der Selbstermächtigung einer »beispielhaften Frau«.


30.05.2026 | Literatur in Hamburg
Helene Bukowskis neuer Roman »Wer möchte nicht am Leben bleiben«

Versuch einer Annäherung

Helene Bukowski, Foto: Tobias Kruse
Schon ihr Debütroman »Milchzähne« (2019) wurde für das Kino adaptiert und wie »Die Kriegerin« (2022) nicht nur vielfach besprochen, sondern auch in mehrere Sprachen übersetzt. In diesem Frühjahr kam der neue Roman von Helene Bukowski dann prompt ins Finale zum Leipziger Buchpreis. »Wer möchte nicht im Leben bleiben« (Ullstein) spielt in den Jahren 1961 bis 1985 in der DDR und in der Sowjetunion und rekonstruiert das Leben einer hochbegabten jungen Pianistin.


30.05.2026 | Literatur in Hamburg
Gaea Schoeters Roman »Das Geschenk«

Deutscher Düngermix mit fatalen Folgen

Gaea Schoeters, Foto: Anna Weise
Ihr erster Roman »Trophäe« (2024) ist eine große und sehr böse Parabel über Großwildjagd, koloniale Finsternisse in der Gegenwart und das Phantombild eines wilden, echten Afrikas, dem schon Hemingway hinterherjagte. Im letzten Herbst hat die flämische Schriftstellerin, Journalistin und Librettistin Gaea Schoeters dann mit ihrem schmalen Roman »Das Geschenk« eine grandiose Satire nachgelegt. Sie spielt im politischen Berlin und geht auf einen ganz realen Streit zwischen Botswana und Deutschland zurück.


30.04.2026 | Literatur in Hamburg
Svenja Leibers neuer Roman »Nelka«

Die fehlende Geschichte

Svenja Leiber, Foto: Ina Kalvelage
Svenja Leiber ist in einem Dorf in Schleswig-Holstein aufgewachsen. Im Nachwort ihres neuen Romans »Nelka« (Suhrkamp) berichtet die vielfach ausgezeichnete Schriftstellerin von den Geschichten, die dort auch unter den Kindern kursierten und von dem Brief einer Zwangsarbeiterin aus der Ukraine, die als Fünfzehnjährige in den Ort verschleppt wurde. Es ist der Auslöser für ihren Roman. Er erzählt eine Gewaltgeschichte aus dem 20. Jahrhundert, die sich in die Landschaften in Norddeutschland eingetragen hat und dort bis heute sichtbar ist.


30.04.2026 | Literatur in Hamburg
Rachel Kongs Roman »Real Americans«

Das ganz Unwahrscheinliche und der Zauber mit der Zeit

Rachel Kong, Foto: Fuzheado, Wikipedia
Woher kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir? Mit dieser berühmten Trias könnten auch die drei Teile überschrieben sein, aus denen sich »Real Americans« (Kiepenheuer & Witsch) zusammensetzt. Der unterhaltsame Familienroman und vieldiskutierte Bestseller aus den USA wirft zentrale Fragen nach der Herkunft, Identität und Zukunft auf. Vorangetrieben wird er jedoch von einem großen Traum, den die in Malaysia geborene US-amerikanische Schriftstellerin Rachel Khong auf über 500 Seiten nach und nach gründlich entzaubert.


30.04.2026 | Literatur in Hamburg
Robert Seethalers Roman »Die Straße«

Im Zwischenreich Jolanders

Robert Seethaler, Foto: Urban Zintel
Es gibt keinen richtigen Plot und das Thema lässt auch dann noch vieles offen, wenn man es auf die Frage herunterbricht, was am Ende von einem Leben bleibt. Dennoch ist Robert Seethalers neuer Roman »Die Straße« (Claasen) ein Leseerlebnis. Das liegt vor allem an der Sprache, die in ihrer Kargheit einen ganz eigenen Sog entwickelt. Und in einem Mosaik aus Geschichten einen feinen Abgesang auf einen unspektakulären Stadtraum einfängt, der irgendwo zwischen gestern und heute festhängt – noch nicht ganz fremd, aber auch nicht mehr ganz vertraut.


30.03.2026 | Literatur in Hamburg
Judith Hermanns Roman »Ich möchte zurückgehen in der Zeit«

Eine Geschichte, die nicht mehr erzählt werden kan

Judith Hermann
Judith Hermann, Foto: Andreas Reiberg
Wie lässt sich etwas verstehen, das im Verborgenen bleibt? Wie kann etwas fassbar werden, von dem wir zwar wissen, dass es da ist und wirkt, aber ohne sich zu zeigen, ohne bewusste Erinnerung daran? Darum geht es in dem neuen Buch von Judith Hermann. In »Ich möchte zurückgehen in der Zeit« (S. Fischer) begibt sie sich auf die Spurensuche nach einer Geschichte, die nicht mehr erzählt werden kann und doch erzählt werden muss. Es ist eines der Ereignisse des literarischen Frühlings.


30.03.2026 | Literatur in Hamburg
Clara Umbachs Romandebüt »Pizza Orlando«

Von Springkraut und der Gretchenfrage

Clara Umbach
Clara Umbach, Foto: Tara Wolff
Es dauert einen Moment, bis man sich in das saloppe, alltagssprachliche Parlando aus Kurznachrichten eingehört hat, in dem die Hamburger Künstlerin und Autorin Clara Umbach ihren Roman »Pizza Orlando« (ecco) über weite Strecken erzählt. Doch dann trägt der ungewohnte Sound flüssig, leicht und sehr direkt durch die bewegende Geschichte einer unbedingten Liebe und all die Anfeindungen des Lebens, denen sie ausgesetzt ist.


30.03.2026 | Literatur in Hamburg
Jana Hensels »Es war einmal ein Land«

Der Osten wendet sich ab

Jana Hensel
Jana Hensel, Foto: Natascha Zivadinovic
Es sind nur ganz wenige Flecken, die auf der Wahlkarte der Bundestagswahl 2025 für Deutschland in den östlichen Bundesländern nicht blau eingefärbt sind. Die AFD hat im Osten fast überall gewonnen, in vielen Regionen sogar die absolute Mehrheit. Für die Journalistin Jana Hensel, die 2002 mit ihrem Generationenporträt »Zonenkinder« bekannt und seitdem mehrfach für ihre Berichterstattung über Ostdeutschland ausgezeichnet wurde, sind die Wahlergebnisse ein Schock. In ihrem neuen Buch »Es war einmal ein Land« (Aufbau), versucht sie Erklärungen zu finden und erzählt: »Warum sich der Osten von der Demokratie verabschiedet«.


10.03.2026 | Literatur in Hamburg
Lukas Rietzschels neuer Roman »Sanditz«

Gesellschaftspanorama mit Bruchkante

Lukas Rietzschel, Foto: Alexandra Polina
Er ist ein Shooting Star der jungen deutschen Gegenwartsliteratur. Schon sein Debüt »Mit der Faust in die Welt schlagen« (2018) war ein Bestseller, der für das Kino verfilmt wurde. Nach »Raumfahrer« (2021) legt Lukas Rietzschel nun mit »Sanditz« (DTV) seinen dritten Roman vor. Er spielt im ländlichen Sachsen und damit in einer Gegend, in der eine berühmte Sagengestalt zu Hause ist: Krabat. Zum Auftakt des Romans haben seine Müllerburschen einen furiosen Gastauftritt, um den Geist der Vergangenheit vom Sockel zu stürzen..


10.03.2026 | Literatur in Hamburg
Dana von Suffrins »Toxibaby«

Der böse Katzenfisch

Dana von Suffrin, Foto: Gunter Glücklich
In ihrem neuen Roman »Toxibaby« (Kiepenheuer und Witsch) erzählt Dana von Suffrin eine beinahe klassische Liebesgeschichte, nur dass sie etwas anders verläuft als die landläufige Vorstellung davon. Es geht um eine Beziehung, die alles erfüllt, was eine große Liebe ausmacht, sie bietet Rettung, Erkenntnis und Erlösung, aber leider immer nur bis zur nächsten Trennung. Ein gnadenloses On/Off-Beziehungstheater zwischen Höhenflug und Absturz, erzählt mit viel Sinn für Situationskomik und einer großen Portion Humor.


27.02.2026 | Literatur in Hamburg
Navid Kermanis »Sommer 24«

Das Erwartbare kennen, das Unerwartete finden

Navid Kermani
Navid Kermani, Foto: Peter-Andreas Hassiepen
Schon in dem sehr persönlichen Band »Wenn sich unsere Herzen gleich öffnen« mit Reden »Über Politik und Liebe«, der im letzten Jahr erschien, thematisiert Navid Kermani die historischen Umbrüche der Gegenwart. Mit »Sommer 24« (Hanser) legt er nun das erzählerische Pendant dazu vor. Es ist ein hochpolitischer Roman, der mit großer Wucht und Offenheit davon erzählt, wie das ist, wenn die veränderte Weltlage die Gewissheiten des eigenen Lebens aus den Angeln hebt.


14.02.2026 | Literatur in Hamburg
Kristof Magnussons neuer Roman »Reise ans Ende der Geschichte«

Der Dichter, der Spion und die Lehrerin

Kristof Magnusson
Kristof Magnusson, Foto: Smilla Dankert
Das Markenzeichen von Kristof Magnusson sind Krisen. Voller ironischer Brechungen und mit viel Sinn für die beiläufige Skurrilität der Ereignisse verknüpft der in Berlin lebende Schriftsteller und Übersetzer die persönlichen Krisen seiner Protagonisten mit den Krisen der Welt. In »Das war ich nicht« ist das die Finanzkrise, in seinem »Arztroman« stehen die Krisen im Emergency Room im Fokus und in »Ein Mann der Kunst« fischt er in den Höhen und Tiefen des Kulturbetriebs. Mit seinem neuen Roman lädt er nun zu einer »Reise ans Ende der Geschichte« und damit zu einem Epochenbild der Zeit kurz nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der Wiedervereinigung. Es ist eine furiose Agent:innensatire.


31.01.2026 | Literatur in Hamburg
Nefeli Kavouras und ihr Debütroman »Gelb, auch ein schöner Gedanke«

Die Jahre ohne Details

Nefeli Kavouras
Nefeli Kavours, Foto: Stephan Obel
In der Hamburger Literaturszene ist Nefeli Kavouras seit vielen Jahren ein Kraftzentrum mit Wechselwirkungen in alle Richtungen. Die in Bamberg geborene Kulturwissenschaftlerin kuratiert das Literaturprogramm der »altonale«, arbeitet für den mairisch Verlag, führt zusammen mit Anselm Neft den Literaturpodcast »laxbrunch« und sie moderiert und organsiert regelmäßig Lesungen. Als Autorin wurde sie vor zwei Jahren für einen Auszug aus ihrem ersten Roman mit dem Hamburger Literaturpreis ausgezeichnet. Jetzt ist ihr Debüt bei Kiepenheuer & Witsch erschienen: »Gelb, auch ein schöner Gedanke«.


31.01.2026 | Literatur in Hamburg
Farhad Shwoghis neuer Gedichtband

Poetische Fassungen des Sagbaren

Farhad Showghi
Farhad Shwoghi, Foto: Steffen Baraniak
Es gehört zum Feinsten, was die Dichtung der Gegenwart zu bieten hat: Wer sich mit Farhad Showghi auf eine Reise in »Die nähere Umgebung« (kookbooks) begibt, wird mit wunderbaren Variationen der Vergegenwärtigung in einem ganz eigenen Sound belohnt. Der für seine Dichtung vielfach ausgezeichnete Hamburger Arzt und Dichter entwickelt in seinem neuen Gedichtband eine unverwechselbare Choreografie für die Routinen des Alltags: beinahe magisch.


31.01.2026 | Literatur in Hamburg
Mia Oberländers »Saloon«

Familiensache

Mia Oberländer
Mia Oberländer, Foto: Alexandra Polina
Schon für ihr Debüt »Anna« erhielt die Hamburger Zeichnerin und Illustratorin 2021 den Jugendliteraturpreis und den Comicbuchpreis der Berthold-Leibinger-Stiftung. Anfang Januar hat Mia Oberländer nun mit der opulent ausgestatteten, in der Edition Moderne erschienenen Graphic Novel »Saloon – Das ist Familiensache« nachgelegt. Erzählt wird die Geschicht einer ziemlich durchgeknallten Familienfeier.


15.01.2026 | Literatur in Hamburg
Leïla Slimanis »Trag das Feuer weiter«

Auf der Suche nach der verlorenen Erinnerung

Leila Slimani
Leïla Slimani, Foto: Francesca Mantovani für Èditions Gallimard
Sie ist eine der wenigen Frauen, die in der über 100-jährigen Geschichte des Prix Goncourt mit dem wichtigsten französischen Literaturpreis ausgezeichnet wurden: Leïla Slimani, 1981 in Rabat geboren und aufgewachsen, gilt heute als eine der wichtigsten Stimmen Frankreichs und ist ein literarischer Weltstar. Mit dem psychologischen Thriller »Dann schlaf auch du« (2017) wurde die französische-marokkanische Schriftstellerin international bekannt. In diesem Januar ist mit »Trag das Feuer weiter« in der Übersetzung von Amelie Thoma der Abschluss ihrer großen, an ihre eigene Familiengeschichte angelehnte Trilogie »Das Land der Anderen« erschienen.


30.11.2025 | Literatur in Hamburg
Joy Williams Erzählband »Stories 2«

Die Stille im Auge des Orkans

Joy Williams
Joy Williams, Foto: Jonno Rattman
In den USA wird die 1944 in Chelmsford, einer Kleinstadt in Massachusetts, geborene Joy Williams schon lange als große Schriftstellerin gefeiert. Zu ihren Bewunderern gehört die erste Garde der US-amerikanischen Literatur: Jonathan Franzen, Bret Easton Ellies, Don DeLillo, sie alle sind Fans von Williams. In diesem Herbst ist mit »Stories 2« (DTV) ihr neuer Erzählband in der Übersetzung von Julia Wolf in Deutschland erschienen. Es ist eine Sammlung mit Meistererzählungen, die zum Feinsten gehören, was die Literatur unserer Zeit zu bieten hat.


30.11.2025 | Literatur in Hamburg
Nelio Biedermanns Debütroman »Lázár«

Ein vor Jahren geträumter Traum

Nelio Biedermann
Nelio Biedermann, Foto: Ruben Hollinger
Als »Donnerschlag« gefeiert und in mehr als zwanzig Länder verkauft wurde dieser Roman schon, bevor er in diesem Herbst erschienen war: Nelio Biedermann hat mit »Lázár« (Rowohlt Berlin) einen der erfolgreichsten deutschsprachigen Romane der letzten Jahre vorgelegt. Der 22-jährige Schweizer, der in Zürich Germanistik und Filmwissenschaft studiert, ist der Nachfahre einer ungarischen Adelsfamilie. In seinem Roman erzählt er die fiktionalisierte Geschichte seiner Familie in einer Zeit radikaler Umbrüche und Zerwürfnisse in Europa und mit zahlreichen Verweisen auf Klassiker der Weltliteratur.


31.10.2025 | Literatur in Hamburg
Linn Ullmanns »Mädchen 1983«

Sehen, sich erinnern, verstehen

Linn Ullmann
Linn Ullmann, Foto: Kristin_Svanæs-Soot
Linn Ullmann blickt mit ihrem neuen Roman »Mädchen, 1983« auf eine Episode ihres Lebens zurück. Es ist ein hochpoetischer und streng durchkomponierter Roman über eine Ermittlung, mit der man sagen kann: »Das ist es, was die Lebenden tun – sehen, sich erinnern, verstehen, eine Linie ziehen, eine Geschichte erzählen.«


31.10.2025 | Literatur in Hamburg
Leon Englers Debütroman »Botanik des Wahnsinns«

Was ist schon ein normaler Mensch?

Leon Engler
Leon Engler, Foto: Niklas Berg
Es ist eine Familie, in der alle Erinnerungsstücke verloren gegangen sind. Und gleichzeitig ist es eine Familie, die niemand gern im Lebensgepäck hat, denn sie ist über Generationen hinweg von psychischen Erkrankungen geprägt. Wie lässt sich davon erzählen? Leon Engler ist dieses Kunststück mit seinem Debütroman »Botanik des Wahnsinns« (DuMont) glänzend gelungen. In einem vielschichtigen Mix aus Familienanamnese, Fallgeschichte(n) und Geschichte der Psychiatrie findet er eine Sprache für das, was eine Gemeinschaft jenseits normativer Prägungen zusammenhält.


31.10.2025 | Literatur in Hamburg
Helga Schuberts Erzählungen »Luft zum Leben«

Geschichten vom Übergang

Helga Schubert
Helga Schubert, Foto: Eddy Zimmermann, Rabauke Filmproduktion
Für eine Erzählung aus ihrem Sammelband »Vom Aufstehen« (DTV) wurde Helga Schubert vor einigen Jahren mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet, 40 Jahre nachdem die heute 85-jährige Schriftstellerin schon einmal zum Wettbewerb eingeladen war und ihn dann verpasste, weil sie nicht aus der DDR ausreisen durfte. Für die Lakonie und Treffsicherheit ihrer literarischen Miniaturen aus meist nur wenigen Seiten wurde sie auch damals schon gefeiert. In diesem November ist nun ein neuer Erzählband von ihr erschienen: »Luft zum Leben. Geschichten vom Übergang«.


29.09.2025 | Literatur in Hamburg
Anja Kampmanns »Die Wut ist ein heller Stern«

Kein Ort mehr, um zu bleiben

Anja Kampmann
Anja Kampmann, Foto: Maximilian Gödecke
Der Altonaer Fischmarkt und die Landungsbrücken, die Reeperbahn, St. Pauli und vor allem ein einst berühmtes Variété sind die Schauplätze des neuen Romans von Anja Kampmann. In »Die Wut ist ein heller Stern« (Hanser) erzählt die vielfach ausgezeichnete Schriftstellerin, die 2016 mit dem Gedichtband »Proben von Stein und Licht« debütierte, wie der Nationalsozialismus zwischen 1933 und 1937 die Stadtgesellschaft und vor allem seine berühmte Amüsiermeile veränderte. Der Roman ist vollgepackt mit Geschichte(n), atmosphärisch hoch verdichtet und voller Poesie. Ein literarisches Ereignis.


29.09.2025 | Literatur in Hamburg
Heinz Strunks Heinz Strunks »Kein Geld Kein Glück Kein Sprit«

Negations-Trias mit Fun-Faktor

Heinz Strunk, Foto: Dennis Dirksen
Mit seinem vielgelobten Roman »Zauberberg 2« hat Heinz Strunk zuletzt einen weltberühmten Jahrhundertroman und Klassiker der deutschen Literatur für die Gegenwart adaptiert. In diesem Herbst brilliert der Schriftsteller, Musiker und Entertainer mit »Kein Geld Kein Glück Kein Sprit« (Rowohlt) in seiner Paradedisziplin und erweitert seine Kurzprosa um einen Sammelband mit 36 Erzählungen. Es sind literarische Miniaturen, die sich einbrennen, pointiert und direkt, und sie sind, trotz ihres unerbittlichen Blicks auf das Allzumenschliche, immer wieder auch zum Schreien komisch.


29.09.2025 | Literatur in Hamburg
Leif Randts »Let´s Talk About Feelings«

Und der Himmel voller Geigen

Leif Randt
Leif Randt, Foto: Belle Santos
Mit seinem neuen Roman fordert der vielfach ausgezeichnete Schriftsteller Leif Randt: »Let´s Talk About Feelings« (Kiepenheuer & Witsch). Er führt dazu in eine sanft heruntergedimmte gesellschaftliche Parallelwelt, in der seine Figuren auf der Suche nach Erfüllung und Authentizität sind. Ein zentrales Motiv ist die Welt der Mode, die nur allzu oft von mehr Schein als Sein bestimmt wird. Über Gefühle wird in dem auf glatt polierte Oberflächen fokussierten, sehr unterhaltenden und dennoch nüchternen Roman eher beiläufig, leise und unaufgeregt gesprochen. Leif Randt erweist sich damit einmal mehr als Zeremonienmeister eines popkulturellen Eskapismus.


15.09.2025 | Literatur in Hamburg
Gaël Fayes Roman »Jacaranda«

Eine Erinnerungsraum für die ganze Geschichte

 Gaël Faye
Gaël Faye, Foto: JF Paga
Schon in seinem Debüt »Kleines Land« thematisiert der französisch-ruandische Schriftsteller und Sänger Gaël Faye, der 1982 in Burundi geboren wurde, den Bürgerkrieg und die Flucht seiner Familie nach Frankreich. In seinem in einer Übersetzung von Andrea Alvermann und Brigitte Große erschienenen zweiten Roman »Jacaranda« greift er den Konflikt zwischen den Bevölkerungsgruppen der Hutu und Tutsi wieder auf und thematisiert den Völkermord in Ruanda 1994. Der Roman ist ein Ereignis, weil es Faye gelingt, eine unmittelbare und unprätentiöse Sprache für ein Geschehen zu finden, für das es keine angemessenen Worte gibt. In Frankreich wurde der hochgelobte Roman u.a. mit dem Prix Renaudot ausgezeichnet.


12.08.2025 | Literatur in Hamburg
Michael Maars neues Buch »Das violette Hündchen«

Am Wegrand des Großen und Ganzen

Michael Maar
Michael Maar, Foto: privat
Für sein Buch »Die Schlange im Wolfspelz« hat er sich auf die Suche nach dem »Geheimnis großer Literatur« gemacht und Geschichten über Geschichten gefunden, die sich zu einem einzigartigen und sehr unterhaltenden Lehrbuch über Literatur zusammenfügen. Mit seinem neuen Buch »Das violette Hündchen« (Rowohlt) knüpft er an den vielgelobten Besteller an, nur dass er bei seinem Parforceritt durch die Weltliteratur diesmal eine Spurensuche am Wegrand des Großen und Ganzen unternimmt und »Große Literatur im Detail« vorstellt. Es ist eine literarische Entdeckungsreise und Verführung zum Lesen